Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. November 2009

Neue Schädlinge und ihre Bekämpfung bereiten Sorge

150 Teilnehmer treffen sich in Willaringen zur Kreisimkerversammlung und hören Kritisches zur Lage der Bienenvölker

  1. Zur Verleihung von Ehrenzeichen kamen bei der Kreisimkerversammlung (von links) Landesvorsitzender Ekkehard Hülsmann, die Vereinsjubilare Wilfried Ritzmann (Klettgau) und Erich Schöpka (Waldshut-Tiengen) sowie Kreisverbandsvorsitzende Anita Böhler zusammen. Foto: WOLFGANG ADAM

RICKENBACH-WILLARINGEN (am). Neue Gefahren für die Landwirtschaft, die Bienenhalter und die Umwelt durch global eingeschleppte, neue Schädlinge und deren chemische Bekämpfungsmethoden beschrieb bei der jüngsten Kreisimkerversammlung Ekkehard Hülsmann, der Landesvorsitzende des badischen Imkerverbandes. In der Gemeindehalle von Willaringen verfolgten am Sonntag rund 150 Teilnehmer zudem die Lageberichte des Landesvorstandes sowie von Anita Böhler aus Dachsberg, der Vorsitzenden des Kreisverbandes Hochrhein/Hotzenwald und Lörrach.

Zu besorgten Mienen führten dabei insbesondere die kritischen Beiträge des Landesvorsitzenden Hülsmann aus dem Ortenaukreis über den denkwürdigen Verlauf des Bienensterbens durch hochgiftige Mais-Saatbeize im vergangenen Jahr. Der 64-jährige frühere Gewerbeschulleiter und erfahrene Bienenhalter rief die Imker sowie Politiker und Bürger zu erhöhter Wachsamkeit mit Blick auf Umweltveränderungen auf, die durch neue Schädlinge wie jetzt der Walnussfliege einträten. Die von der Wirtschaft organisierte Schädlingsbekämpfung mit Stoffen, die den einst verbotenen Wirkstoff DDT um das Tausendfache überböten, solle überprüft werden. "Heute bedarf es auch neuer Ansätze der landwirtschaftlichen Beratung", betonte Hülsmann, der davon ausgeht, dass bei hochkonzentrierten Pflanzenschutzmitteln kleine Fehler zu großen Katastrophen führen können.

Werbung


Die Bienenvölker und alle anderen nützlichen Insekten seien zudem aufgrund der zunehmend blütenärmer werdenden Landwirtschaftsflächen bedroht. Der Landesvorsitzende begrüßte deshalb Initiatven des Imkervereins Hotzenwald für Gespräche zwischen Landwirten, Imkern und Landwirtschaftsbehörden am runden Tisch über Bienenschutz ohne gravierende Nachteile für die unter Rationalisierungsdruck stehenden Bauernhöfe. Ekkehard Hülsmann bezeichnete es nach Rücksprache mit landwirtschaflichen Forschungseinrichtungen als machbar, wenn künftig wieder mehr Wiesen erst nach der Gräserblüte gemäht werden. Die Auswirkungen für die Tiere seien nach Experteneinschätzungen gering.

Berichtet wurde in Willaringen aber nicht nur über Problematisches. Neue, wirkungsvollere Mittel für die Varroabekämpfung kämen zur Anwendung, und die EU sowie das Land Baden-Württemberg sprächen über die Erhöhung von Zuschüssen für Landwirte, die sogenannte Bienenweiden pflegen, hieß es. Mit einer Prämienanhebung von derzeit 130 Euro pro Hektar auf rund 500 Euro wäre den Bienen schon geholfen, befand Hülsmann, der zudem von steigenden Mitgliederzahlen berichtete. "Unter den neuen Imkern sind heute mehr Frauen als je zuvor, das ist eine Bereicherung", lobte der Landesvorsitzende.

Anita Böhler, seit 30 Jahren engagierte Imkerin, gab einen Überblick über den Jahresverlauf im Kreisgebiet, in dem die Blütenhonigernte zufriedenstellend ausfiel, obwohl bundesweit die Honigerträge aufgrund des geringer werdenden Nahrungsangebotes und aufgrund von Klimaschwankungen zurückgehe.

Dem drastischen Rückgang der Bienenvölkerzahl im Vergleich zu den 50er Jahren gewann der Landesvorsitzende positive Seiten ab: "Wichtiger ist, dass die Zahl der Imker wieder steigt, auch wenn durch die schwieriger gewordene Bienenhaltung mehr Imker weniger Völker betreuen", so Hülsmann.

Ehrenzeichen für langjähriges Imkern gingen an Herbert Albicker (Wutachtal) sowie an Roswitha Böhler (Albtal), Wilfried Ritzmann und Konrad Rehm (beide Klettgau), Erich Schöpka (Waldshut-Tiengen) und Thomas Steck (Lauchringen).

Autor: Wolfgang Adam