Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. April 2009

Sexualdelikte mehmen zu

Hochrhein-Kriminalstatistik 2008: Gewaltdelikte gehen zurück

  1. Polizeichef Klaus Danner Foto: BZ

WALDSHUT-TIENGEN (hjh). Am Hochrhein leben die Menschen so sicher wie in keiner anderen südbadischen Region. Vor allem bei der Gewaltkriminalität sieht Klaus Danner, Chef der Polizeidirektion Waldshut-Tiengen, mit Befriedigung auf sinkende Zahlen. Auch im Jahr 2008 waren im Kreis Waldshut weder Mord noch vollendeter Totschlag zu bearbeiten. Sorge bereiten ihm und Kripochef Holger Scheller dagegen die steigende Zahl von Sexualdelikten und Rechtsbrechern im Internet.

Ausgerechnet bei der vielbeklagten Gewaltkriminalität registrierten die 241 Polizisten im Landkreis für ihre Kriminalstatistik 2008 einen Rückgang von 214 auf 176 Fälle. Für Polizeichef Danner mit ein Erfolg des Konzeptes "Sichere Veranstaltungen", das die Polizeidirektion (PD) Waldshut-Tiengen mit Landkreis und Gemeinden anschob.

Besonders schwere Kriminalität wurde weniger protokolliert: Wie 2007 gab es keinen Mord, nur einen versuchten Totschlag; Vergewaltigungen, Raubdelikte und Körperverletzungen gingen deutlich zurück. Selbst die Zahl der Rauschgiftdelikte wurde kleiner. Hier ist aber fraglich, ob die Statistik die Realität widerspiegelt. Zum Teil führt die PD das Minus der aufgedeckten Straftaten darauf zurück, dass sich die Bundespolizei in den vergangenen Jahren langsam von der Grenze zurückzog. Und was nicht auffliegt, kommt logischerweise auch nicht in die Statistik.

Werbung


Kummer macht die Zunahme bei den Sexualdelikten (Plus von 84 auf 133). Sie betraf den sexuellen Missbrauch von Kindern und stärker noch die Verbreitung von Pornografie, wobei das Internet eine wachsende Rolle spielt. Beim Missbrauch im "Nahbereich" der Opfer sieht der Polizeichef auch die Folgen einer öffentlichen Diskussion, eine "Aufhellung des Dunkelfeldes": "Mütter oder Nachbarn haben jetzt den Mut, so etwas anzuzeigen, was früher vielleicht nicht der Fall war." Der Kinderpornografie im Internet ist bei der PD ein Spezialistenteam von sechs Beamten auf der Spur, vielleicht auch deshalb das Plus bei den Fallzahlen.

Auch weil die Kriminalität im Landkreis vergleichsweise überschaubar ist, muss die Polizeidirektion bis 2010 zwölf Stellen abbauen. "Die werden fehlen", fürchtet der Chef. "Wir werden im Kreis Waldshut so wenig Polizei haben wie noch nie." Schon jetzt verweist die Behörde auf private Sicherheitsdienste, wenn Vereine ein größeres Fest veranstalten: "Die Polizei kann das nicht leisten."

Autor: bz