Kreistagssitzung

Nach Rekordverlust liegt das Kreiskrankenhaus Emmendingen wohl wieder im Plan

Marius Alexander

Von Marius Alexander

Mo, 05. November 2018 um 18:50 Uhr

Kreis Emmendingen

Nachdem der Lagebericht für das Jahr 2017 ein Defizit in Höhe von 3,1 Millionen Euro ausgewiesen hat und noch im Mai von Stellenabbau die Rede war, hat Geschäftsführerin Elisabet Vario am Montagabend verkündet, dass sich die Lage 2018 wieder verbessert habe. Sogar neue Stellen seien im Gespräch.

Update: Wie Geschäftsführerin Elisabeth Vario am Montag in der Sitzung des Kreistags nach Bekanntwerden des Rekorddefizits von 2017 ausführte, liege man bereits Mitte des Jahres 2018 wieder im Plan. Neue Erkenntnisse, so Vario weiter, seien wesentlich positiver, sogar eine Erhöhung des Stellenplanes um 29,3 Vollzeitkräften sei für 2019 geplant. Chancen dafür eröffneten auch die Eingliederung von insgesamt fünf Kooperationsärzten. Außerdem verwies Vario auf das "Maßnahmenpaket 2" mit dem Umbau des OP-Trakts sowie des Eingangsbereichs − "mit über 40 Millionen Euro das wichtiges Projekt des Kreiskrankenhauses."

Das Kreiskrankenhaus Emmendingen verzeichnet für das Jahr 2017 eine negative Leistungsbilanz – und ein Rekorddefizit in Höhe von 3,1 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor lag der Verlust noch bei 1,8 Millionen Euro. Am Montagabend wird der Jahresabschluss für 2017 den Mitgliedern des Kreistags vorgestellt. In der Sitzungsvorlage ist er vorab enthalten.

Als Gründe für das stark angestiegene Defizit werden in erster Linie ausbleibende Erlöse und ungeplante Mehrkosten angeführt. Hintergrund der Verluste ist, dass das Haus im Jahr 2017 die selbst gesteckten wie ausgehandelten Leistungswerte nicht erreichen konnte.

Nur Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Planübererfüllung

Die Leistung eines Krankenhauses wird in sogenannten Casemix-Punkten bewertet. Die geben den rechnerischen Durchschnittswert aus Aufwand und Anzahl der Patientenfälle in einem Kalenderjahr an. Im Lagebericht von Krankenhausgeschäftsführerin Elisabeth Vario wird darauf hingewiesen, dass im Wirtschaftsplan für das vergangene Jahr 10 660 Punkte angepeilt wurden. 10 360 Punkte seien als Budgetwert ausgehandelt worden, tatsächlich erreicht wurden am Ende jedoch nur 10 030 Punkte. (Nachtrag: Laut Hochrechnung im Oktober 2018 habe die Zahl der Punkte inzwischen wieder etwa 10.300 erreicht, teilte Vario am Montag in der Kreistagssitzung mit.)

Bis ins Detail listet der Lagebericht die Bereiche auf, die die gesetzten Ziele verfehlt haben. So habe die Innere Medizin etwa 160 Punkte weniger als vorgesehen erbracht, weil die Zahl der gastroenterologischen Diagnosen sowie der Fälle mit Beatmung zurückgegangen seien. Um rund 270 Punkte habe die Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie das Ziel verfehlt. Die Gynäkologie erreichte etwa 110 Punkte weniger als erwartet, da sich die Erkrankung der damaligen Chefärztin hingezogen habe. Einzig die Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie habe den Planansatz um etwa 70 Punkte überboten, was mit einer Zunahme der Fälle um rund 230 begründet werden könne.

Gestiegene Hygieneanforderungen

Im Bereich des Personals verweist der Lagebericht darauf, dass etwa 260 000 Euro an "ungeplanten Mehrkosten" zusammenkamen, weil im Pflegedienst ein hoher Ausfall wegen Krankheit verzeichnet wurde. Außerdem mussten im ärztlichen Dienst ebenfalls krankheitsbedingt zunehmend Leihärzte beschäftigt werden. Wie es im Bericht von Elisabeth Vario an anderer Stelle heißt, seien im Jahr 2017 für Leihärzte etwa 240 000 Euro und für Leihpflegekräfte rund 110  000 Euro ausgegeben worden. Wieder zu einer Einheit verbunden wurden zum 1. Januar 2018 die Abteilungen Allgemein-/Viszeralchirurgie und Unfallchirurgie/Orthopädie. Die im Jahr 2007 vorgenommene Aufspaltung habe die Hoffnung, "mehr planbare Fälle zu gewinnen", nicht erfüllt.

Um 100 000 Euro höher ausgefallen als der Ansatz sind laut der Bilanz für 2017 die Kosten für "Sonderreinigungen". Der Grund: gestiegene Hygieneanforderungen und vermehrte Zimmerdesinfektionen nach dem Aufenthalt von Patienten mit ansteckenden Krankheiten.

Auch die Verwaltung wird teurer

Wiederholt wird im Lagebericht die Forderung, Krankenhäuser müssten stärker finanziell gefördert werden. Nur dann könnten alle Investitionen realisiert werden. Im vergangenen Jahr werden dazu folgende Projekte aufgelistet: Ersatzparkplatz zur Sanierung der Tiefgarage, der Beginn des Betriebs in neuen Radiologieräumen, neue Betten, eine neue Spülmaschine. Im Ausblick wird festgehalten, dass "jederzeit mit unvorhergesehenen Reparaturen" gerechnet werden müsse.

Gestiegene Ausgaben verzeichnet der Lagebericht auch für den Bereich Verwaltung. In erster Linie der gestiegene Beratungsbedarf − auch im Zusammenhang mit der Frage eines Engagements für das Waldkircher Bruder-Klaus-Krankenhaus − habe die Ausgaben um 170 000 Euro über den Planansatz steigen lassen.

Fazit: Mit dem Verlust aus 2017 ist das im Jahr zuvor bilanzierte Eigenkapital "vollständig aufgezehrt" worden. Es habe sich daraus ein vom Eigenkapital nicht gedeckter Fehlbetrag von fast 400 000 Euro ergeben. Sollten in der ersten Hälfte 2018 die Zielvorgaben ebenfalls nicht erreicht werden, werde "ein schärferer Sanierungsplan mit weiterem Stellenabbau in den nächsten Jahren unabdingbar sein", heißt es in dem Bericht vom Mai. Neuere Zahlen sind positiver, zum Teil ist sogar von einer Erhöhung des Stellenplanes um 29,3 Vollzeitkräfte die Rede.

Chancen, die Vorgaben zu erfüllen, sieht die Geschäftsführerin in der Eingliederung weiterer Kooperationsärzte, mit denen die Behandlungsleistung gesteigert werden könnte. Im Bericht heißt es auch: "Insbesondere in einem weiteren Ausbau der Altersmedizin liegen Chancen für das Kreiskrankenhaus Emmendingen."