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13. Januar 2009

Kritik am Besuch von Ilan Mor

Israelischer Gesandter zu Gast

  1. Heute in Freiburg: Ilan Mor Foto: bz

Gleich zwei Vorträge hält der Gesandte der israelischen Botschaft und stellvertretende israelische Botschafter in Berlin, Ilan Mor, heute Abend in Freiburg: einen um 18.15 Uhr in der Aula der Universität zum Thema "Israel vor den Wahlen", und einen um 20 Uhr auf Einladung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Jungen Union im Hotel Roter Bären. Das Thema dort: "60 Jahre Israel – Errungenschaften und Herausforderungen". Durch den Krieg im Gazastreifen haben beide Auftritte nun besonderes Interesse bekommen.

Zur Veranstaltung in den Roten Bären haben sich statt der vom Veranstalter kalkulierten 80 mittlerweile 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet. Auch gestern rissen die Anfragen nicht ab – wer überlegt hat, spontan zu dem Vortrag mit Publikumsdiskussion zu gehen, hat keine Chance mehr auf Einlass. Derweil kümmert sich die Polizei um die Sicherheit beider Veranstaltungen – ob es im Vorfeld Drohungen gab und mit wie vielen Einsatzkräften die Polizei vor Ort sein wird, dazu wollte sich Polizeisprecher Ulrich Brecht gestern nicht äußern. Mit Störungen von Demonstranten wird bei Ilan Mors Vortrag in der Universität gerechnet, so Johannes Reiner, Vorsitzender der Freiburger Gruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Eine Absage der Veranstaltung im Roten Bären habe für die DIG jedoch nie zur Diskussion gestanden. "Dann hätten die radikalen Kräfte ja gewonnen, und das kann nicht sein. Die Bürgerschaft muss informiert werden. Von daher sind wir eher bestärkt worden, die Veranstaltung stattfinden zu lassen", sagte Reiner gestern der BZ.

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Die Ärztin Gabriele Weber, seit 20 Jahren mit einem Palästinenser aus dem Gazastreifen verheiratet und in Freiburg derzeit eine der Hauptinitiatorinnen von Mahnwachen und Demonstrationen für das palästinensische Volk, hat sich in einem Schreiben an die Prorektorin der Universität, Charlotte Niemeyer, gewandt, die in Mors Vortrag einführen wird. Darin kritisiert Weber: "Ich finde es unglaublich, dass ein Vertreter der israelischen Regierung an der Universität Freiburg ein Forum für weitere israelische Propaganda erhält. Warum erlaubt die Universität einem Vertreter der Kriegsregierung in Israel, die Menschenrechte, Völkerrecht, Kriegsrecht und alle anderen Rechte seit 60 Jahren mit Füßen tritt, einen Vortrag über die anstehenden Wahlen in Israel abzuhalten, ohne dass auch ein Vertreter der palästinensische Seite gehört wird?" Die Uni weist darauf hin, dass die Veranstaltung des Colloquium politicum im Sinne eines Dialogs der Kulturen sei. Kennzeichen der Universität sei Offenheit für alle, die an einem solchen Dialog teilnehmen wollten. Immer gleichzeitig einen Vertreter der Gegenseite einzuladen, sei nicht erforderlich, so Unisprecher Rudolf-Werner Dreier.

Autor: fz