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05. Juli 2012
Kritik am Gruppendekanat
Evangelische Kirchenleitung ist mit der Situation im Ortenaukreis nicht glücklich.
OFFENBURG. Führt eine Entscheidung der evangelischen Christen in der Ortenau zum Konflikt mit der Landeskirche? Es geht um die Dekan-Struktur, wie sie im Ortenaukreis zur allgemeinen Zufriedenheit gehandhabt wird.
Seit vier Jahren erprobt die evangelische Kirche im Ortenaukreis neue Leitungsstrukturen in einem Kirchenbezirk Ortenau. Sie folgt damit den Vorgaben der Leitung der Landeskirche. Sie hat die Erprobung neuer Strukturen für die Ortenau in einem bis Ende 2013 geltenden "Erprobungsgesetz" sogar vorgeschrieben. Am Freitag beschlossen nun die Ortenau-Synode und die Regional-Synoden Kehl, Lahr und Offenburg – eine Synode ist die demokratisch gewählte Vertretung der Gläubigen, also eine Art Parlament –, die in den letzten Jahren entwickelten Strukturen auf Dauer beizubehalten.Diese Entscheidung fiel mit überwältigender Mehrheit. Allerdings haben Teile der Kirchenleitung in Karlsruhe mittlerweile andere Pläne. So beanstandet der Landeskirchenrat das in der Ortenau eingeführte Gruppendekanat, in dem die drei Dekane der ehemaligen Kirchenbezirke Kehl, Lahr und Offenburg sich die Leitung des Kirchenbezirks Ortenau gleichberechtigt teilen. Diese Form der Leitung eines Kirchenbezirks sei in der kirchlichen Grundordnung nicht vorgesehen, sie entspreche nicht dem Kirchenrecht. Laut Ulrich Fröhlich-Nohe, dem Vorsitzenden der Ortenau-Synode, sei das allen Beteiligten aber schon 2008, als der Erprobungsauftrag erteilt wurde, bewusst gewesen. Damals hieß es, dass man Neues ausprobieren wolle. "Dass, wie in anderen Kirchenbezirken, ein einziger Dekan den Bezirk Ortenau leiten soll, ist für uns nicht akzeptabel", so Fröhlich-Nohe. Der Kirchenbezirk Ortenau umfasse um die 70 Kirchengemeinden und sei von der Fläche her sehr ausgedehnt. "Wir sind nicht mit anderen Kirchenbezirken der Landeskirche vergleichbar. Und weshalb muss überhaupt alles immer gleichförmig gemacht werden?" Die Arbeit des Gruppendekanats mit den gleichberechtigten Dekanen Reiner Becker, Günter Ihle sowie dem Ehepaar Wellhöner sei sehr erfolgreich, die Aufgabenverteilung durch eine Geschäftsordnung gut geregelt.
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Dem Vorschlag aus Karlsruhe, einen der Dekane zum Leiter des Gesamtdekanats zu machen, mit dem neu geschaffenen Titel "Regionaldekan", und die anderen zu Stellvertretern, steht man skeptisch gegenüber. Das berge Konfliktstoff. "Wir wissen nicht, wen wir aufwerten und wen wir zurückstufen sollten", so Fröhlich-Nohe. Kritik aus den Reihen der Laien und Ehrenamtlichen an der Landeskirchenleitung könne er nachvollziehen. Seit 14 Jahren beschäftige man sich in der Ortenau auf Wunsch der Landeskirche mit der Neustrukturierung. Die zunächst gefundene Lösung, ein Kirchenverband der drei Bezirke Kehl, Lahr und Offenburg, wurde von der Landeskirche verworfen und stattdessen das "Erprobungsgesetz" auf den Weg gebracht. Es sollte die Entwicklung tragfähiger Strukturen für die Arbeit in einem derart großen Kirchenbezirk ermöglichen. "Diese Aufgabe haben wir erfolgreich gelöst, nun ist man wieder nicht zufrieden", so die Kritik vieler Engagierter.
Falls kein Konsens mit dem Landeskirchenrat gefunden wird, will die Ortenau eine Entscheidung der Landessynode, des badischen Kirchenparlaments, herbeiführen. Ein entsprechender Antrag wurde in Offenburg verabschiedet, bleibt aber vorläufig in der Schublade. "Vielleicht ergibt sich noch ein Kompromiss, mit dem alle Beteiligten gut leben können", so Fröhlich-Nohe. Letztlich gehe es darum, eine Arbeit zu machen, die den Mitgliedern der Kirchengemeinden zugute kommt und der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung der evangelischen Kirche Rechnung trägt.
Autor: Robert Ullmann



