KRITIK IN KÜRZE

Udo Andris

Von Udo Andris

Di, 13. Februar 2018

Rock & Pop

Ätna im Freiburger Slow Club

Ein unverwechselbarer, eigener Sound und ein musikalisch-handwerklich weitgespanntes Know-how führen hier zu einem prickelnden Personalstil. Das Duo "Ätna" aus Dresden kennt – und hier zeigt sich die Nähe zum gleichnamigen Vulkan – Phasen der Ruhe, sanft gleitende Noten ebenso wie hochemotionale Ausbrüche. Inéz Schaefer (Gesang, Keyboard), aus dem Saarland stammend, und der gebürtige Rheinländer Demian Kappenstein (Drums, Elektronik) lernten sich an der Hochschule für Musik in Dresden kennen, tauschten ihre musikalischen Vorlieben aus, gründeten eine Band und entschieden sich zudem dafür, handgemachte Musik zu bevorzugen. Jetzt stellten die beiden ihre ungewöhnlichen Songs im gut besuchten Freiburger Slow Club vor. Ätna vereinen in ihrem Electro-Pop tiefempfundene Balladen, auf Steve Reich oder Phil Glass verweisende Minimalismen, wütenden Ausruf und melancholische Zurückhaltung ebenso wie raffinierte, auch geräuschhafte Effekte und scharf umrissene, rockende Rhythmen. Inéz Schaefer zeigt sich durch ihr Studium gesangstechnisch versiert, multipliziert ihre ausdrucksstarke Stimme mittels Elektronik, erzielt damit orchestrale Wirkungen und farblich betörende Klangbänder. Am Keyboard entwickelt sie zarte Pianistik, gefällt auch mit einem unverbrauchten elektronischen Vokabular. Ökonomie, nicht Noteninflation ist ihr Credo. Demian Kappenstein, der Jazzschlagzeug, freie Improvisation und zeitgenössische Musik studierte, erweist sich als idealer Ansprechpartner, korrespondiert mit reduzierten Beats und viel Gespür für Timing und Dynamik. Nicht zu vergessen: Ätnas aparte Soundarchitekturen werden von Texten durchzogen, in denen soziale und kosmopolitische Sensibilität schwingt.