KRITIK IN KÜRZE

Reiner Kobe

Von Reiner Kobe

Do, 17. Mai 2018

Rock & Pop

Inner Language Trio beim Jazzkongress Freiburg

Mit der "konventionellsten aller Jazzformationen eine möglichst maximale Ausbeute an Möglichkeiten" zu schaffen ist das Credo von Christoph Stiefel. Der Schweizer Pianist, der mit dem Harfenisten Andreas Vollenweider einst die Popwelt verzückte und längst beim Jazz gelandet ist, setzte beim Freiburger Jazzkongress jetzt sein Ansinnen sinnhaft und eindrücklich um mit höchst originellen Eigenkompositionen, die folkloristische Einflüsse mit stimmigen Impressionen aus Klassik und Jazz verbinden. Dabei wirkt sein Konzept der Iso-Rhythmen, einer Überlagerung von rhythmischen und melodischen Einheiten, bei der die Illusion von Polyrhythmik erzeugt wird, bestens. Stiefel ließ die Tasten tanzen, verschob und verlagerte Phrasen und Melodien nach Belieben. Der Grundrhythmus verschob sich dabei andauernd, fast unmerklich. Kraftvoll und dynamisch kam alles daher, was aber keineswegs grenzenloses, freies Improvisieren bedeutete, sondern dass sich innerhalb vorgegebener, wenn auch nicht enger Strukturen, das Trio voll entfalten konnte. Bassist Lukas Traxel, der auch mal gewandt die Führung übernahm, ansonsten Stiefel streichend und zupfend zur Seite stand, und Schlagzeuger Tobi Backhaus, der die donnernde Basstrommel silbrig schimmernden Beckenklängen zur Seite stellte, trugen gewaltig zum bebenden Powerspiel bei. Es wurde durch zurücknehmende Klangmalereien noch zusätzlich unterstützt.
Schlafwandlerisch sicher und hochenergetisch agierte Christoph Stiefels Inner Language Trio und spielte stets auf den Punkt genau. Das rhythmische Feuer, das es im "Schützen" vor jubelndem Publikum entfachte, wird lange nachlodern.