KRITIK IN KÜRZE

Udo Andris

Von Udo Andris

Mo, 10. September 2018

Rock & Pop

Jonathan Bree im Freiburger Slow Club

Ein Abend, der Nostalgie, Retro-Touch und Pop-Moderne vermählen will. Auf der Bühne drei Musiker, zwei Tänzerinnen. Das Outfit als Referenz an die Swinging Sixties. Die Kleidung der Herren ist identisch, ebenso sind es die dunklen Perücken, die auf die frühen Beatles verweisen mögen. Die Damen posieren in neckisch-weißem Design. Und die Gesichter des Quintetts bleiben hinter weißen Elastan-Masken verborgen. Im gut besuchten Freiburger Slow Club stellt Jonathan Bree, angesagter Sänger, Songwriter und Produzent aus Neuseeland, sein aktuelles Album "Sleepwalking" vor. Das Video zum Song "You’re So Cool" wurde bereits millionenfach angeklickt. Jonathan Bree kultiviert mit sparsamer Gestik den Weltschmerz, thematisiert verlorene Illusionen. Wobei seine poetischen Songs unter anderem Liebe und Verführung als Möglichkeit nennen, ein defizitäres Leben zu ertragen – dann aber wieder in Resignation und coolen Nihilismus münden. Brees unaufdringliche Baritonstimme stützen Bassist und Drummer mit aussparendem Spiel, das mit zugespielten opulenten, (pop-)nostalgisch formulierten Orchesterarrangements korrespondiert. Und die beiden Girls unterstreichen, illustrieren das Geschehen mit einer ironisch-linkischen Choreographie. Dennoch ist dieses extravagante Konzert nicht frei von Längen: Die überwiegend balladesken Songs tendieren zu Gleichförmigkeit, bergen Ermüdungspotential. Wenn die Titel mehr Tempo und Dichte zulassen, ein gewisses Wave-Feeling sich einfindet, bekommt dieser Gig aufgefrischte, revitalisierte Züge.