KRITIK IN KÜRZE

Simon Langemann

Von Simon Langemann

Mo, 30. Juli 2018

Rock & Pop

ZMF 1: Von Wegen Lisbeth im Spiegelzelt

Die Hälfte der Spielzeit ist vorüber. Doch noch immer warten vor dem Eingang verzweifelte Fans, um Konzertbesucher in deren Raucherpause zu fragen: "Brauchst du deine Karte noch?" Die Show ist seit Wochen ausverkauft. Doch ob die 700 Plätze des Spiegelzelts genug sein würden, fragte man sich bereits beim ersten Blick auf das ZMF-Programm. Denn Von Wegen Lisbeth sind die deutsche Indieband der Stunde. Die fünf Berliner sind Mitte zwanzig. Diverse Studiengänge liegen zugunsten der steilen Musikkarriere auf Eis. Ihre Songs klingen so mitreißend und eingängig, dass man die ekstatisch tanzende Meute gut verstehen kann – und zugleich so juvenil und aufgedreht, dass es sich auch mit jenen mitfühlen lässt, die der Omnipräsenz der Band genervt gegenüberstehen.

Der mit vielen Keyboards und ein wenig Saxophon angereicherte Gitarrenpop erscheint nicht unraffiniert, und doch wirkt er an vielen Stellen vertraut. Es sind eher die Texte, die Von Wegen Lisbeth so eindeutig modern wirken lassen: Sie zitieren die Slammerin Julia Engelmann, singen von iPhones, Tinder und buffernden Streams. In einem noch unveröffentlichten Stück möchte Sänger Matthias Rohde fortwährend "ein Gefährder sein". Das klingt ein wenig wie eine aktualisierte Version des berühmten Prinzen-Diktums von 1992: "Dann möchte ich ’ne Bombe sein und einfach explodieren."
In Freiburg treffen Von Wegen Lisbeth in erster Linie auf ihresgleichen: ein Publikum, wie es studentischer kaum sein könnte – und bewegungsfreudiger. Als die Band ihr bestes Stück "Wenn Du Tanzt" anstimmt, wird erst gar nicht versucht, der angebeteten Protagonistin des Textes nachzueifern. Sondern lieber gleich mitgehüpft.