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18. August 2012
Künstlerin mit Kamera
LAND UND LEUTE: Lisa Patzwald ist unter jungen Leuten ein Geheimtipp für Fotoshootings.
KIPPENHEIM-SCHMIEHEIM. Trotz aller moderner Fototechnik macht wirklich gute Bilder noch immer nur der Mensch hinter der Kamera. Lisa Patzwald ist so ein Mensch. Die 17-Jährige aus Schmieheim fotografiert bereits mit ihrem ganz eigenen Stil – und der kommt an: Ihre Bilder zeigt die Schülerin in einem Internetblog, der inzwischen mehr als 700 Abonnenten hat. Vor allem Jugendliche aus der Region verfolgen so ihre Arbeit. Für Shootings muss Lisa längst eine Warteliste führen, doch für die Badische Zeitung hat sie eine Ausnahme gemacht und BZ-Model Réka Schaller außer der Reihe fotografiert.
Technischen Schnickschnack braucht Lisa nicht. Zum Fototermin bringt sie nur eine Kamera und ein Objektiv mit Festbrennweite mit. Beides transportiert sie in ihrer Handtasche. "Blitze oder Reflektoren verwende ich eher selten", sagt Lisa. Sie arbeitet am liebsten im Freien mit natürlichem Licht. Die Ettenheimer Geschäftsstellenleiterin der Badischen Zeitung, Réka Schaller, nimmt Lisa dann auch mit auf den Heuberg. Sportbilder sollen es werden, denn Joggen und Yoga mag das Model. Stelle und Thema hatten die beiden vorher in einem Gespräch ausbaldowert. "Ich frage immer nach Vorlieben, oft ist es aber auch so, dass ich schon weiß, wo ich hin will, wenn ich die Person sehe", sagt Lisa. Auf dem Heuberg gibt es lange gerade Wege für Laufbilder und viel Weite für Aufnahmen vom Yoga. Eine Grundidee für die Bilder müsse man stets vorher im Kopf haben, so Lisa.
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Bilder, die sie mit der Kamera umsetzen wollte, hatte Lisa schon früh im Kopf. "Meine erste Kamera bekam ich mit elf oder zwölf Jahren, nachdem ich zuvor im Urlaub immer mit der Digitalkamera meiner Eltern rumgespielt hatte", erinnert sie sich. Fortan mussten ihre Freundinnen Model stehen. "Ich habe einfach immer fotografiert und anhand der Bilder geschaut, was man besser machen könnte und dann versucht das umzusetzen." Vier Jahre später reichte dazu die Kamera nicht mehr aus und Lisa kratzte alles Geld für eine professionelle Spiegelreflexkamera zusammen.
Damals begann sie, auch Bilder ins Internet zu stellen. "Von da an kamen immer mehr Leute und wollten sich von mir fotografieren lassen und dann wurde es eigentlich zur Regelmäßigkeit", so Lisa. Inzwischen ist ein Fototermin bei ihr nicht mehr kostenlos, aber Geld verdient sie damit eher nicht, da sie die Honorare gleich wieder in die Ausrüstung steckt.
Réka Schaller muss in den Weinbergen erst einmal laufen. "Hast Du einen Kopfhörer? Wenn nicht nimm meinen", sagt Lisa.
Sie selbst hält die Kamera knapp über dem Boden und versucht ihre Bildidee umzusetzen, Réka als modische Freizeitläuferin in Szene zu setzen. Dabei hat sie aber immer im Blick, wie das Licht auf ihr Model fällt. "Lauf mal links an mir durch", sagt sie und beobachtet dabei, wie die Schatten über das Gesicht der Läuferin wandern. Irgendwie gefallen ihr aber Licht und der Ausdruck nicht und Lisa bittet schon bald zu Yoga-Übungen in die benachbarten Reben. "Man darf nie alles durchplanen und muss auch flexibel reagieren." Bei den Yoga-Übungen nutzt sie das Gegenlicht, das am Abend von den Vogesen herüber scheint. Das gefällt ihr besser. Jetzt macht es weitaus häufiger Klick.
Am Ende werden es auch die Yoga-Bilder und nicht die eigentlich geplanten Laufbilder, die Lisa auswählt. Das passt auch eher zur Bildsprache der jungen Fotografin, die meist von einer ruhigen Stimmung dominiert ist, was ihr durch eine weit geöffnete Blende und dem dadurch entstehenden weichen Hintergrund gelingt, aber auch durch eine harmonische Farbgebung, die sie durch gekonnte Komposition sowie kreatives Spiel mit dem Licht erreicht und später in der digitalen Dunkelkammer noch herausarbeitet. Das geschieht nicht mit irgendwelchen Verfremdungsprogrammen, sondern mit viel Handarbeit. "Für die Nachbearbeitung am Computer musste ich wirklich lange, lange üben - das geht nicht von heute auf morgen", sagt Lisa.
Der Computer ist zugleich ihr wichtigstes Schaufenster, denn die schönsten Bilder stellt sie auf ihre Internetseite und ihren Facebook-Blog. In Bilderforen hält sie sich dagegen nicht auf. Schnell sehen auch so Hunderte ihre neuesten Bilder. Die Autoren der Kommentare unter ihren Veröffentlichungen kennt sie längst nicht mehr alle persönlich. Auch wurde sie schon auf der Straße erkannt und angesprochen. "Das freut einen schon, wenn nicht nur die eigenen Freunde die Arbeit schätzen." Viele fragen auch nach Tipps oder wollen eine Beratung beim Kamerakauf, "vor allem Mädchen, Jungs fragen eigentlich überhaupt nicht", erzählt Lisa.
Starallüren liegen ihr aber fern, sie ist sich nicht einmal sicher, ob sie nach dem Abitur im kommenden Jahr auch beruflich in Richtung Fotografie gehen will. "Ich weiß von den Schwierigkeiten, mit Fotokunst ein Auskommen zu finden", sagt Lisa. Und im Studio stehen und Passbilder schießen – das könne sie sich nun gar nicht vorstellen.
Autor: Stefan Merkle





