Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
10. Juni 2008
"Kulisse" bringt Menschen näher, Hospizgruppe begleitet sie bis in den Tod
Benefizkonzert im Zentrum für Psychiatrie mit einer breiten Spannweite / Ensembles aus der Region mit großer Begeisterung und hohem Niveau.
EMMENDINGEN. Wenn es etwas wirklich Existenzielles am Sonntagabend in der ZPE-Festhalle gab, dann rührte das knappe Votum von Walburga Beule daran. Sie ist Einsatzleiterin der Emmendinger Hospizgruppe. Darin kümmern sich 23 Frauen und Männer ehrenamtlich um die Begleitung Schwerkranker und Sterbender. Walburga Beule schilderte ein zu Herzen gehendes Beispiel ihrer Arbeit: Frau L, die schwach geworden war. Sie besuchte die alte Dame, und es ergab sich, dass Walburga Beule ihr die Hände massierte. Das müssen sehr private Augenblicke gewesen sein. "Mädle", habe die alte Dame gesagt, "nun sind wir uns so nahe gekommen – das kann uns keiner nehmen". Frau L., berichtete Walburga Beule, hat ab dem kommenden Tag ihr Bett nicht mehr verlassen und ist zwei Wochen später gestorben. Dieser Arbeit galt das Konzert, das der Kenzinger Verein "Kulisse" im ZPE veranstaltete und das trotz Fußball- EM – an diesem Abend spielte immerhin das deutsche Team gegen unsere polnischen Nachbarn – sehr gut besucht war.
Die Spannweite des Programms war sehr weit – manches hätte es verdient, allein gestellt und sogar noch ausgebaut zu werden. So sind Lieder von Clara Schumann, mit denen das Konzert beschlossen wurde, nicht unbedingt oft zu hören. Markus Haas (Bariton) wusste zu fesseln. Auch Fanny Hensel, Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy, hat komponiert – Marion Oerding (Alt) und Konzertorganisatorin Anne Höveler (Sopran) hatten mit zwei innigen, fast schwärmenden Duetten ihre schönsten Momente in diesem Konzert.
Werbung
Herauszuheben ist auch das "Kulisse"- Quartett: Kerstin Kirstein, Felicitas Henschel-Kreutzberger, Joachim Blank und Matthias Metz zeigten hohes Niveau und sehr viel Mut mit kniffligen Sätzen von "Moon river" und "Autumn leaves". Ausgezeichnet, weil locker und gelöst, kamen die Vogtsburger "Young Voices" mit ihrem "Top of the world" daher: Sechs junge Mädchen, die Georg Mattes vor neun Jahren als Kinderchor übernommen hatte. Mattes verknüpfte mit seinem E-Chor aus Endingen auch das paulinische Hohe Lied der Liebe mit "All you need is love". Schön auch seine ironischen Ausflüge in die populäre Musik – bis hin zu den "Ärzten". Mutig auch die gerade 17 Jahre alt gewordene Aida Chelaifa, die sich mit Georg Mattes an Elton Johns "Can you feel the love tonight" traute.
Den Auftakt des Konzerts hatte der veranstaltende "Kulisse"-Chor übernommen (gut: Gershwins "Somebody loves me"), zu Beginn des zweiten Teils kamen die MISS-Tones (beide Chöre: Anne Höveler) auf die Bühne – die Gruppe zeigte einmal mehr, dass sie gewiss zu den ausgezeichneten Frauenchören der Region gehört (nicht zuletzt mit dem alten Schlager "I wanna be loved by you").
Eigentlich zu lang für dieses Programm war das Händel-Duett "Willst Du die Lieb nicht lassen", das Marion Oerding (Alt) und Anne Höveler (Sopran) mit Maria Grigorenko (Klavier) musizierten; schön die beiden Mozart-Lieder "An Cloe" und "Der Zauberer", auch wenn Anne Höveler leicht indisponiert schien. Insgesamt: Völlig zu Recht viel Jubel, sehr viel Beifall an diesem Abend.
Autor: Frank Berno Timm
