Beim Spielen die Ewigkeit schauen

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Fr, 08. Dezember 2017

Kultur

Eine Orgel kann feinsinnig summen oder löwengleich brüllen – klingende Impressionen aus dem Freiburger Münster.

Sie kann Feierlichkeit ausstrahlen – wie Bachs Es-Dur-Präludium. Sie kann säuseln – wie das Adagio vor der brillanten Finaltoccata von Widors Sinfonie Nr. 5. Sie kann löwengleich brüllen – wie in Max Regers Inferno-Fantasie. Und sie kann an die Theologie eines Chorals heranführen – wie die verzierte Version von Bachs "Nun komm, der Heiden Heiland". Die Orgel kann viel, sie kann sogar sehr viel. Etwa die hervorragende vierteilige Anlage, die das Freiburger Münster ziert.

Ein weit über den Breisgau hinaus bekanntes Quartett, das demnächst noch durch eine neue Chororgel weiter aufgewertet werden soll. Für Liturgie und Konzert. Man ist berührt, wenn man im Gottesdienst erlebt, mit wie viel Feinsinn und Können die Organisten das Potenzial der einzelnen Instrumente nutzen. Im Konzert gibt es immer wieder Momente, in denen man sich eingestehen muss, dieses oder jenes so und in diesen Farben noch nie vernommen zu haben. Oder wenn man sich beim Hören fragt, ob der Klang realiter nun von vorn oder nicht doch von der fernen wunderbaren Michaelsorgel über dem Westportal kommt.

Orgelklang in seinen Facetten vermag in die Seele zu dringen, wenn man ihn an sich heranlässt. Eine zeitlose Welt abseits von Getöse und Banalität kann sich auftun. "Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen manifestieren" – so hat es Albert Schweitzer, der ja ein respektabler Organist war, gesagt. Im Bezug zum Ewigen ist die Orgel konkurrenzlos.