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30. Juli 2010
Mittelrheinbrücke: Weg frei für den umstrittenen Bau nahe des Loreleyfelsens
Die Unesco hat für den Bau der Mittelrheinbrücke entschieden.
Die Unesco hat den Weg für den umstrittenen Bau der Mittelrheinbrücke in der Nähe des weltberühmten Loreleyfelsens frei gemacht. Das Welterbe-Komitee entschied nach Angaben des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums am Donnerstag auf seiner Jahrestagung in Brasilia, dass das Land mit der Planung beginnen darf. Damit sei "die wesentliche Frage der Welterbeverträglichkeit zur Fortführung der weiteren Planungsschritte beantwortet", teilten der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und Verkehrsminister Hendrik Hering (beide SPD) in Mainz mit. Dem Dresdner Elbtal war 2009 der Welterbestatus wegen eines Brückenbaus aberkannt worden.
Die Wirtschaft fordert seit langem eine Rheinquerung bei St. Goar und St. Goarshausen, denn zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf rund 85 Kilometern weder Brücke noch Tunnel. Bislang bringen Fähren die Menschen im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal von der einen auf die andere Flussseite. Kritiker der Brücke warnen unter anderem vor massiven Umweltschäden. Zweimal hatte sich das Komitee seit 2008 mit der Brücke befasst, jeweils wurden neue Gutachten in Auftrag gegeben. Eine nochmalige Vertagung der Entscheidung wurde auch dieses Mal als nicht unwahrscheinlich angesehen.
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Auf der 34. Sitzung des Welterbe-Komitees beraten sich die 21 Unesco-Mitglieder noch bis zum 3. August in der brasilianischen Hauptstadt. 250 Entscheidungen gilt es zu treffen, dabei geht es auch um die Erweiterung des Welterbes Goslar durch die Oberharzer Wasserwirtschaft, ein mittelalterliches Kanalsystem für den Bergbau.
Das Komitee teilt nun laut Landesregierung die Auffassung, dass die geplante Mittelrheinbrücke "visuell akzeptabel ist und damit dem außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbestätte entspricht". Auch aus Sicht des Unesco-Gremiums sei die Brücke die ökonomisch sinnvollste Alternative. "Das Welterbe-Komitee eröffnet damit einer der bedeutendsten Kulturlandschaften Deutschlands eine eindeutige und moderne Entwicklungsperspektive", erklärte Beck.
Das Obere Mittelrheintal gehört seit 2002 zum Unesco-Welterbe. Es gilt als Inbegriff der romantischen Rheinlandschaft, deren Mythos in Texten und Bildern verbreitet wurde. "Wir haben immer dafür plädiert, keine ,Käseglocke’ über das Tal zu legen, sondern Landschafts- und Denkmalschutz mit moderner Nutzung zu vereinbaren", teilten Beck und Hering mit. Nächste Schritte seien die Erstellung einer Detailplanung und ein Planfeststellungsverfahren, um das Baurecht zu erlangen.
Seit 1978 erstellt die Kulturorganisation der Vereinten Nationen eine Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt. Darauf werden einzelne Denkmäler, historische Städte und Landschaften gesetzt, wenn diese von solch außergewöhnlichem Wert sind, dass für ihren Schutz die gesamte Menschheit verantwortlich sein soll und nicht nur ein Staat. Die Länder, in denen das jeweilige Weltkulturerbe oder Naturerbe liegt, sind zur Erhaltung der Denkmäler verpflichtet.
Derzeit stehen 890 Orte und Landschaften in 148 Ländern auf der ständig wachsenden Liste. 33 davon sind in Deutschland, darunter der Kölner Dom, die Altstädte von Wismar und Stralsund sowie seit 2009 auch das Wattenmeer. Im Ausland sind unter anderem der französische Klosterfelsen Mont Saint-Michel in der Normandie und die peruanische Inkastadt Machu Picchu geschützt.
Wenn die Unesco ein Denkmal für gefährdet hält, setzt es dieses auf eine sogenannte Rote Liste. Im Extremfall kann es auch wieder aus dem Welterbe gestrichen werden, wie vergangenes Jahr das Dresdner Elbtal wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke.
Autor: dpa
