Der Bürgerschreck

dpa

Von dpa

Do, 17. Mai 2018

Kultur

Dieter Kunzelmann mit 78 Jahren in Berlin gestorben.

Dieter Kunzelmann, linksradikaler Aktivist und Mitbegründer der anarchistischen "Kommune 1", ist tot. Er starb mit 78 Jahren in Berlin, wie sein früherer Anwalt Hans-Christian Ströbele am Mittwoch bestätigte. Zuvor hatten die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier über den Tod berichtet.

Zusammen mit Fritz Teufel und Rainer Langhans gehörte Kunzelmann zu den als "Bürgerschreck" gefeierten Politclowns der 68er-Bewegung. Mit seinen Happenings galt er als "Chef-Provokateur" der Studentenbewegung. Auf einem legendären Foto steht er nackt mit dem Rücken zur Kamera zusammen mit Mitgliedern der "Kommune 1" vor einer Wand. Mit langgestreckten Armen und gespreizten Beinen stellen die jungen Leute eine Razzia in Deutschlands berühmtester Wohngemeinschaft nach.

In den Künstlerkreisen Münchens gründete der als Sohn eines Sparkassendirektors am 14. Juli 1939 in Bamberg geborene Kunzelmann 1959 den deutschen Ableger einer "Situationistischen Internationale", eine Art Widerstandszelle im Kulturbereich. Nach seinem Weggang aus München gehörte Kunzelmann zu den Gründern der Terrorgruppe "Tupamaros West-Berlin", die Attentate mit Brandbomben verübte. Anfang der 80er Jahre war er Mitglied der Fraktion der Alternativen Liste im Berliner Abgeordnetenhaus, wo er immer wieder mit spektakulären Protestaktionen hervortrat. Nach einem Eierwurf gegen den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen 1997 wurde Kunzelmann zu elf Monaten Haft verurteilt. Er tauchte unter – und stellte sich erst im Juli 1999 der Justiz.