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17. Dezember 2013 00:08 Uhr

Nihilist

Der Freiburger Autor Ludger Lütkehaus wird 70

Er ist einer der vielseitigsten und originellsten Geisteswissenschaftler seiner Generation: Ludger Lütkehaus, Literaturwissenschaftler, Philosoph, Kritiker und Autor, wird heute 70 Jahre alt.

  1. Ludger Lütkehaus Foto: Ingo Schneider

Der gebürtige Cloppenburger studierte nach dem Abitur in Freiburg Philosophie, Germanistik, Geschichte. Mit einer Arbeit über Friedrich Hebbel promovierte er 1976 bei Hans-Peter Herrmann. Anschließend habilitierte er sich an der Universität Siegen bei Helmut Kreuzer mit einer weiteren Arbeit über Hebbel. In den achtziger Jahren lehrte er in Siegen und an der Emory University in Atlanta. 1997 war er Max Kade Distinguished Professor an der University of Wisconsin in Madison.

Mit über zwanzig Monographien, bedeutenden Editionen und spielerisch hingeworfenen Glossen macht er seit den neunziger Jahren als Philosoph und Kritiker von sich reden. Herausragend sind seine Arbeiten zu Arthur Schopenhauer: die Gesammelten Werke in fünf Bänden, Ausgaben der Briefwechsel Schopenhauers mit seiner Familie, mit Goethe und mit Friedrich Arnold Brockhaus. Ergänzt und kommentiert werden sie durch Monographien zu "Schopenhauers metaphysischem Pessimismus", "Schriftstellerei und Stil" und die "Einsichten eines glücklichen Pessimisten". Hinzu kommen Ausgaben und Bücher zu Hebbel, Nietzsche, Freud, Mauthner und Günther Anders.

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Entsprechend breit ist das Spektrum der Themen, die er behandelt: von Schopenhauers Pessimismus bis zu "Nirvana in Deutschland;" von einer "Liebe in Deutschland" über das Verhältnis Hannah Arendts zu Heidegger bis zu Günther Anders’ "Philosophieren nach Hiroshima"; von der Geschichte Kasper Hausers bis zur Geschichte der Psychoanalyse. Nicht zu vergessen die Autofiktion "Kindheitsvergiftung", in der er das Trauma seiner katholischen Erziehung erzählt, und die Aphorismensammlungen "Hegel in Las Vegas", "Freud zum Vergnügen" und "Das Schlimmste kommt zuletzt".

Als wäre das alles nicht mehr als ausreichend, fügte er 1999 noch ein Werk hinzu, das in der Tat sein Opus Magnum ist und nun schon in der zehnten Auflage vorliegt: "Nichts. Abschied vom Sein, Ende der Angst". Mit seinen rund 770 Seiten ist es eine Tour d’Horizon durch die Philosophie und Literatur des Nihilismus, der in Lütkehaus’ Version seinen Schrecken verloren hat. Statt das Nichts nur als die Negation des Seins zu verstehen, wird es zu einer eindrucksvollen Anstiftung zur Gelassenheit.

Die Öffentlichkeit hat die Verdienste von Lütkehaus mehrfach gewürdigt: zuletzt mit dem Robert Mächler-Preis und dem Friedrich Nietzsche Preis des Landes Sachsen-Anhalt. Man darf sich Ludger Lütkehaus als einen heiteren Nihilisten vorstellen.
– Der Autor hat bis zu seiner Emeritierung an der Universität von Wisconsin als Literaturwissenschaftler gelehrt.

Autor: Klaus Berghahn