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17. März 2014 08:48 Uhr

Musik

Rock’n’Roll-Star Peter Kraus wird 75 Jahre alt

Peter Kraus will mit 75 seine Karriere beenden und hat seine Abschiedstournee angekündigt. Außerdem veröffentlicht er sein letztes Album. Es enthält Coverversionen aktueller Pophits, gespielt im Stil der 50er Jahre.

  1. Mit seinen Freunden rockt Peter Kraus (rechts) 1956 in einem Wohnzimmer in München. Foto: DPA

  2. Peter Kraus Foto: Peter Kneffel

Für eine Elvistolle hat er nicht mehr die Haare, sagt er. Und seine Wasserskier müsse er bald wohl gegen ein Ruderboot eintauschen. Wellen schlagen wie in den 50ern kann er damit nicht mehr, das weiß Peter Kraus. Kurz vor seinem 75. Geburtstag am Dienstag hat der deutsche Rock’n’Roll-Star und Entertainer jetzt seine Abschiedstournee angekündigt. Nach nahezu 60 Bühnenjahren ganz und gar aufhören – kann einer wie Kraus das überhaupt?

"Ich kann gut ohne meinen Beruf leben", ist der gebürtige Münchner überzeugt. Er hat es sich in einem Sessel im Hotel Europäischer Hof in Baden-Baden bequem gemacht. Schick ist es hier, das Casino gleich um die Ecke. Schick ist auch Peter Kraus. Buntes Hemd, braune Lederjacke, sonniger Teint, die Frisur sitzt auch ohne Elvistolle. Den Teller mit den Plätzchen stellt er gleich mal außer Reichweite. "Sonst greife ich doch nur wieder zu", scherzt er. Einer wie er, der auch mit über 70 noch zu seinen alten Hits "So wie ein Tiger", "Sugar Baby" und "Tutti Frutti" die Hüften kreisen lässt, muss auf seine Linie achten.

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Auch wenn er gut ohne seinen Beruf leben könne, "ganz höre ich mit der Musik nicht auf", schiebt Kraus gleich hinterher. Vielmehr gehe es ihm jetzt darum, sich vom intensiven Tourleben zu verabschieden. "Die letzten zehn Jahre sind so schnell vorbeigegangen", sinniert er. Nach seiner letzten großen Tournee diesen Herbst will er einfach mehr "Ruhe und Frieden" haben, wie er sagt. "Und Zeit für die Familie – das natürlich an erster Stelle", fügt er schnell noch hinzu. Mit seiner Frau ist Kraus seit 45 Jahren verheiratet. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn. Das Paar lebt im Tessin.

"Meine Anfangszeit wird nichts überbieten können."

Peter Kraus
Gerade einmal 14 Jahre ist Peter Kraus, eigentlich Peter Siegfried Krausnecker, alt als er seine erste Filmrolle in Erich Kästners "Das fliegende Klassenzimmer" bekommt. Drei Jahre später tritt er in einem Konzert von Hugo Strasser im Münchner Zirkus Krone auf und gibt zwei Elvis Presley-Songs zum Besten. Am nächsten Tag jubelt die Presse: "Deutschland hat einen deutschen Elvis!". Ein Jahr später landet Kraus mit "Tutti Frutti" seinen ersten großen Hit.

"Meine Anfangszeit wird nichts mehr überbieten können", das ist Kraus klar. "Da war einfach alles drin: Die Novität, dass ein junger Mensch Musik für junge Leute macht, das Entsetzen der Erwachsenen und das Hinwegsetzen über deren Einstellung, dass der Rock’n’Roll nur im verrückten Amerika erfolgreich sein kann, aber nicht bei uns in Deutschland." Auch fast 60 Jahre danach strahlen Kraus’ Augen noch, wenn er sich an die alten Zeiten erinnert.

Ein Hit nach dem nächsten

Ende der 50er haut er einen Hit nach dem nächsten heraus: "Mit Siebzehn", "Kitty Cat", "Wenn Teenager träumen" und natürlich "Sugar Baby". Letzterer ist zu einer Art Beiname für Peter Kraus geworden. "Heute ist es oft noch so, dass die Leute auf der Straße mich mit ,Sugar Baby’ und nicht Peter Kraus rufen", erzählt er und lacht. Nervt das nicht? "Oh nein, das ist schon okay." Da ist er großzügig. Auch dem Film bleibt Peter Kraus treu. "Wenn die Conny mit dem Peter" wird zum Kinorenner des Jahres ’58, Kraus und Schauspielerin Cornelia Froboess zum absoluten Traumpaar des deutschen Films. In den 60ern drehen sie den Erfolgsfilm "Conny und Peter machen Musik". An der Seite von Heinz Rühmann ist Kraus im Streifen "Der Pauker" zu sehen. Eine aufregende Zeit.

Nebenbei tritt Kraus in Amerika, Frankreich und England auf. "16-jährige Mädchen schrieben mir Briefe, dass sie meine Platten vor ihren Eltern verstecken müssen", erinnert er sich. Heute kaum noch vorstellbar.

Viel älter als 16 war Peter Kraus damals selber nicht. "Ich musste schnell erwachsen werden", sagt er. Aber das sehe er heute nicht als Nachteil. Mit seinem Vater, dem bekannten Sänger, Schauspieler, Produzenten und Regisseur Fred Kraus, habe er schon als kleiner Junge gesungen. Da war früh klar, in welche Richtung er gehen würde – obwohl er als Kind auch noch einen anderen Traumberuf hatte.

"Ich wollte in Italien Autodesign studieren", berichtet Kraus. "Als kleiner Bub’ bin ich nach der Schule immer in die Autosalons und habe nach den neuesten Autokatalogen gefragt", erzählt er. "Ich hab dann gesagt, mein Vater interessiere sich für den neuen Chevrolet – aber natürlich wollte er gar kein neues Auto, konnte er sich auch gar nicht leisten." Peter Kraus grinst verschmitzt. Heute zählen schöne Autos mit zu seinen größten Hobbys. Ein netter Zeitvertreib für den Ruhestand – neben seinem Weinberg, der Malerei und dem Golfspielen.

Doch das süße Rentnerleben muss noch einige Monate warten.

Kraus covert Marteria

Zuerst bringt Peter Kraus am 21. März sein neues Album "Zeitensprung" heraus. Ein gewagtes Projekt: Kraus covert aktuelle Popsongs wie "Lila Wolken" von Marteria, "Hamma!" von Culcha Candela oder "Nur noch kurz die Welt retten" von Tim Bendzko – im Stil der 50er Jahre. "Die spannendste LP seit langem", findet er. Da fühlt man sich doch schnell an Heinos jüngsten Ausflug in die Rock- und Popmusik erinnert. Peter Kraus sieht das anders. Die Idee stamme von den Produzenten der Berliner Band "The Baseballs", die ebenfalls Hits im Rock’n’Roll-Stil covert. Kraus hofft, mit seiner neuen CD auch ein jüngeres Publikum ansprechen zu können. Egal ob das nun klappt oder nicht – 30 Filme, 100 LPs und CDs, 12 Millionen verkaufte Tonträger – der deutsche Elvis wird zu seinem 75. Geburtstag auf eine außergewöhnliche Karriere zurückblicken können.

Peter Kraus: Zeitensprung (Universal). Konzerte: 5. 11., Baden-Baden; 8. 11., Basel, 13. 11., Freiburg. Info: BZ-Kartenservice 0761/4968888

Autor: niv