Historiker Roeck: Der Islam taugt gut als Feindbild

KNA

Von KNA

Di, 04. September 2018

Kultur

Der Zürcher Historiker Bernd Roeck zeigt sich skeptisch, was eine schnelle Reformfähigkeit des Islam angeht. Anders als etwa in der katholischen Kirche gebe es keine einheitliche Lehrautorität, die Veränderungen herbeiführen und durchsetzen könne. "Jeder Imam hat Lehrkompetenz; da ist es unheimlich schwer, etwas zu ändern." Zugleich ermunterte Roeck, der 2017 ein Standardwerk zur Geschichte der Renaissance veröffentlicht hat, Europa zur Offenheit gegenüber Muslimen. Europa habe immer von seiner Vielfalt profitiert. "Es hat immer neue Strömungen und neues Wissen integriert. Das ist sozusagen seine DNA." Mit Blick auf das neue Buch von Thilo Sarrazin "Feindliche Übernahme: Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" sagte Roeck, derzeit lasse sich der Islam als Feindbild gut mobilisieren. Im gegenwärtigen "Utopie-losen Zeitalter" sehnten sich viele nach Übersichtlichkeit und klaren Zugehörigkeiten.