Jede Menge Groove

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Di, 09. Oktober 2018

Kultur

Die Bläser Peter Protschka und Rick Margitza gastierten mit einem Quintett am Freitag im Lörracher Jazztone.

Packende Melodien, atemberaubende Virtuosität und jede Menge Groove: Peter Protschka und Rick Margitza gaben mit ihrer Band am Freitag im Lörracher Jazztone ein begeisterndes Konzert mit anspruchsvollem, meisterhaft gespieltem Jazz. Wurzelnd im Mainstream sowie im Hardbop und Postbop entwickelten die fünf Musiker fesselnde Stücke, wohl abgewogen zwischen virtuosen Höhenflügen und melodiösen Teilen. Er sei schon mehrmals in diesem legendären Club gewesen, erzählte der 41-jährige Trompeter Peter Protschka, aber immer nur als Sideman. Jetzt kam er mit seiner eigenen Band und hatte den 56-jährigen Tenorsaxophonisten Rick Margitza dabei, der in jungen Jahren mit Maynard Ferguson und Miles Davis, später auch mit McCoy Tyner und Chick Corea gearbeitet hat.

Die beiden ergänzen und inspirieren einander hervorragend, auch wenn ihre Stile zu spielen doch recht unterschiedlich sind. Rick Margitza kommt mehr vom Postbop. Auf dem Tenorsaxophon spielt er rasante Läufe, sprühend vor Energie und Gestaltungskraft, er improvisiert mit scheinbarer Leichtigkeit und nie versiegendem Ideenreichtum. Zugleich kann er sehr lyrisch und harmonisch werden, was sich in den Balladen deutlich zeigt. Peter Protschka, der zwischen Trompete und Flügelhorn wechselt, spielt geradliniger, mit klarem Sound und reichem Ausdruck. Die Landschaften, die er musikalisch ausbreitet, sind weicher, während diejenigen von Margitza auch schroffe Ecken und Kanten haben. Man merkt Protschkas Spiel an, dass er in klassischer Trompete ausgebildet ist, wenngleich er jede Menge Jazzfeeling mitbringt. Doch die beiden harmonieren hervorragend miteinander, beflügeln sich und tönen im Duett sehr intensiv und melodienfreudig. Fast alle Stücke, die die Band im Jazztone spielt, sind entweder von Protschka oder von Margitza komponiert.

Auch die Backline hat es in sich. Martin Sasse am Piano spielt gefühlvoll, doch mit selbstbewusstem Anschlag, er glänzt mit großartigen Soli und trägt eine eigene Komposition zum Abend bei, die sich nahtlos einfügt in das Programm des Quintetts. Souverän spielt Martin Gjakonovski den Kontrabass, präzise wie ein Uhrwerk und phantasievoll in seinen Soli. Auch Schlagzeuger Tobias Backhaus begeistert mit Soloeinlagen und befruchtet die Musik durch federnd leichtes Spiel an Trommeln und Becken. Im Stück "Black Forest" durchmisst die Band raue Landschaften, ohne dabei düster zu werden. In ihren Balladen überzeugt sie mit schönen und warmen Melodien, die keineswegs gefällig sein wollen.

War die erste Hälfte des Konzerts von Bop und Balladen geprägt und wurde bereits mit dem Blues "Tom’s Grovve" am Ende rasanter, gestaltete sich das zweite Set noch grooviger und zugkräftiger. Teilweise spielten auch Latin-Rhythmen in die Stücke hinein. Das Publikum sparte nicht mit Applaus und ging bei den kraftvollen Nummern mit, zeigte sich aber auch von einem langen Solo-Intro von Rick Margitza sehr begeistert. Alle Bandmitglieder hatten genügend Raum, sich zu entfalten und ihr Können unter Beweis zu stellen, und so erlebten die Zuhörer im Jazztone einen wunderbaren Konzertabend.