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23. Januar 2010
Kultur gibt es nicht zum Nulltarif
Kultur am Rheinknie ist ein wichtiger Standortfaktor, doch Kultur kostet auch Geld – eine Diskussion der C-Parteien
Der Vergleich mit der Region Zürich endet immer gleich. Basel und sein trinationales Umland mögen in manchem konkurrenzfähig sein, was aber fehlt, ist der See. Unschlagbar ist die Stadt am Rheinknie stattdessen in Sachen Kultur. Auch sie bringt Ansehen und Prosperität in eine Region, lockt als weicher Standortfaktor Besucher aus aller Welt und ersetzt mancher Chemie- und Pharma-Topbesetzung den halben See.
Zwar ist diese Argumentation alles andere als neu. Sie kommt aber spätestens dann immer wieder auf, wenn Subventionen gerechtfertigt sein wollen. Einmal mehr um die Wichtigkeit des Standortfaktors Kultur für die Region ging es beim diesjährigen Treffen der sogenannten C-Parteien aus Deutschland und der Schweiz, diesmal ausgerichtet im Basler Kunstmuseum. "Bei der Wertschöpfung sind wir uns ja noch alle einig", sagte der Basler Regierungsrat Carlo Conti (CVP) in seinem Eingangsreferat, "bei der Geldverteilung nicht." Wer soll wie viel zahlen und wofür? Inwieweit profitiert das Umland von der Zentrumskultur und was ist förderungswürdig, was hingegen nicht?
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Mit 552 000 Besuchern war die Van Gogh-Ausstellung im letzten Jahr die bisher mit Abstand best besuchte, die Kosten mochte de Lorenzo zwar nicht verraten, allein die Versicherungssumme betrug aber drei Milliarden Schweizer Franken. Dass von solchen einerseits teuren Großveranstaltungen andererseits die ganze Region auch finanziell profitiert, allen voran im Hotel- und Gaststättensektor, zieht niemand in Zweifel. Während die Diskussionen mit dem Kanton-Baselland nicht abreißen, sieht sich das Ausland bisher aber von Subventions-Anfragen verschont. Ungeachtet der Namensverwandtschaft von Museumserweiterung und Lörracher Kulturhaus, die beide als Burghof geführt werden, geht die deutsch-schweizerische Freundschaft so weit dann doch nicht.
Lörrachs OB Gudrun Heute-Bluhm, die jetzt in Basel in Vertretung des kurzfristig erkrankten Burghofchefs Helmut Bürgel auf dem Podium mitdiskutierte, erinnerte aber daran, dass sich die Lörracher beispielsweise bei Basels letzter Bewerbung um das Label der europäischen Kulturhauptstadt ja durchaus mitengagiert hätten. Inhaltlich pflege man gute Beziehungen zur Basler Kaserne und zum Gare du Nord, und gerade das Stimmen-Festival gehe ja auch aktiv über die Grenzen. Umgekehrt kommen natürlich auch Besucher aus der Schweiz zur Lörracher Kultur, die beim Burghof rund 20 Prozent der Gäste ausmachten. Ob sich denn auch die umliegenden Städte und Gemeinden finanziell beteiligten, wollte der die Runde moderierende Redakteur der Basler Zeitung, Patrick Marcolli, wissen. Weiler Finanzspritzen für die Lörracher Kultur? Nein, daran war bisher wohl noch nicht gedacht!
Diskutiert wird dagegen überall über die Förderwürdigkeit einzelner Bereiche. Gerade wo es um Experimentierfreudigeres als klassische Ballettabende in der Vorweihnachtszeit, populäre Musicals oder Ähnliches geht, gehen die Meinungen oft auseinander. Die Basler wollten da auch ein deutliches Stadt-Land-Gefälle bemerken, was kulturelle Offenheit betrifft. "Wir können aber nicht nur die sogenannte hohe Kultur fördern, sondern uns muss auch das Anreichern des kulturellen Nährbodens am Herzen liegen", bemerkte Carlo Conti, der auch den Vorwurf des elitären Abgrenzens kennt.
Über Fausto de Lorenzos Einschätzung, wonach der Anteil der Kulturinteressierten in der Bevölkerung nur zehn bis zwanzig Prozent betrage, mag man diskutieren. Die Prioritäten des früheren Unternehmensberaters liegen ohnehin anders: "Das ist aber eine wirtschaftlich außerordentlich wichtige Klientel."
Autor: ama
