"Egypt Station" von Paul MCCartney

NEUE TONTRÄGER: Songs so gut wie damals

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 09. September 2018

Kultur

Hatte irgendwer Zweifel? Nicht wirklich. Und wenn schon, seit Freitag ist klar: Er kann es noch. Und wie gut! Zwei Jahre hat Ex-Beatle Paul McCartney zusammen mit Produzent Greg Kurstin an "Egypt Station" gearbeitet. Weil die beiden Worte "Egypt" und "Station" zusammen gut klingen, hat er die Platte so genannt. Angeblich. Ein Konzeptalbum mit einer durchgehenden Geschichte und Thematik habe er schreiben wollen. Das sei seine Stärke, sagt der 76-Jährige. Aber macht das heute noch irgendjemand? Konzeptalben in Zeiten von Download und Stream? Klar kann man das machen, zumal "Egypt Station" dank der Zusammenarbeit McCartneys mit Greg Kurstin, der auch die Foo Fighters oder Adele schon aufgenommen hat, vollkommen zeitgemäß klingt.

Schon mit dem ersten Song "I Don’t Know" gelingt McCartney der Spagat, eine Melodie zu finden, die an die Beatles in ihrer späten Karriere erinnert, die dabei gleichzeitig Harmonien wie ein Wings-Song aus den Siebzigern aufzubieten hat und die trotzdem so frisch klingt, als hätte es den Brit-Rock dazwischen in den letzten Jahrzehnten kaum gegeben. Als wäre das nicht schon erstaunlich, versieht der große Melodiengeber des Pop den Titel dann auch noch mit der Zeile, er habe noch "so viele Lektionen" zu lernen im Leben.

Nein, hier ist kein satter alter Mann am Werk. Sondern einer, der einfach noch voller guter Songs steckt. Und da müsse man dann eben ab und an eine Platte machen, so McCartney im Interview mit dem Musikmagazin Mojo .

"Egypt Station" jedenfalls strotzt nur so vor neuen, alten Melodien, und wie auf seinen frühen Solo-Platten spielt Sir Paul auch hier die Mehrzahl der Instrumente selbst.

Das ist charmant: Er ist bis heute kein herausragender Schlagzeuger. Aber wen sollte das schon stören? "Happy With You" besingt das Glück seiner Ehe mit Nancy Shevell. Auf "Caesar Rock" klingt McCartney rockig wie ein Rolling Stone. "People Want Peace" ist einmal mehr ein in den Siebzigern verwurzelter Friedensappell. Und "Despite Repeatet Warnings" wirft einen kritischen Blick auf die politische Lage in den USA. "Ich liebe, was ich tue", hat McCartney dem Magazin Mojo erzählt. Das hätte man nach dem Hören von "Egypt Station" aber ohnehin gewusst.

Bernd Peters
Paul McCartney – Egypt Station erschienen CD, LP und Download bei Universal Music.