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15. Mai 2009
Schillers Schädel – entzwei
Astromedya präsentiert ein glänzend besetztes Hörspiel
Was man 180 Jahre für Schillers Schädel hielt – eine Fälschung, eine meisterliche zwar, aber im DNA-Test klar beweisbar: Das Cranium gehört nicht dem deutschen Dichter – und falsche Zähne waren ihm auch noch eingesetzt. Diese Geschichte, aufgedeckt im Mai 2008 haben Freiburger Studenten und Doktoranden weiter gesponnen. Heraus kam "Kopfjäger", ein sehr aufwendiges Hörspiel, das die Geschichte des Weimarer Zirkels neu erzählt – und eine verstörende Erkenntnis liefert: Es kann nur einen geben, der Schillers Schädel gestohlen und gefälscht hat: der Geheimrat selbst, der meisterliche Goethe.
Und da ist den Machern ein richtiger Coup gelungen: Für die Rolle des Goethe haben sie Günter Oesterle gewonnen, emeritierter Professor der Germanistik und derzeit Fellow am Freiburger Forschungskolleg "Frias". Er lässt einen Goethe auferstehen, wie man ihn sich besser nicht vorstellen kann: trinkend, fluchend, triumphierend, jammernd, mit dem Schädel des Freundes streitend. Ein Goethe, der den heimlichen Besitz mit Kräften zu verbergen sucht und in dem Schädelforscher Franz-Joseph Gall einen ebenbürtigen Widersacher findet. Und Oesterle hat da einen Freund an seiner Seite: Soziologie-Professor Wolfgang Eßbach hat die Rolle des zweifelnden Gall übernommen.
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"Wir haben die beiden Professoren wirklich umworben", berichtet Benedikt Strunz. Er ist einer der Produzenten des Hörspiels. 2006 schloss sich der 28-Jährige mit Felix Engel zum Medienprojekt Astromedya zusammen, mit der Autorin Maike Mumm (Berlin) produzieren sie seither Hörspiele, unter anderem das Feature "Mythos Mobbing – Vom Negativtrend zur Geschäftsphilosophie", das den deutschen Hörkunstpreis der Akademie der Künste erhielt.
Diesmal ist Sophie Ihle die Autorin, Freiburger Germanistik-Studentin, die sich für die Geschichte von Schillers verschwundenem Schädel so begeisterte, dass sie über Monate recherchierte. Ansprechpartnerin war natürlich Ursula Wittwer-Backofen, Freiburger Professorin der Anthropologie und Humangenetik und Sachverständige bei der Erforschung des Schiller zugeschriebenen Schädels. Auch sie ist in "Kopfjäger" zu hören, ebenso die Germanistikprofessorin Katharina Grätz. Sie liefern die wissenschaftlichen und literaturgeschichtlichen Hintergründe, vor denen Schiller (gesprochen von dem Schauspieler und angehenden Juristen Jens Platen) seine Geschichte erzählt. "Anfangs erheiterte mich sein Forscherdrang", sagt der Schädel über den ihn untersuchenden Goethe. Aber Goethe – eifersüchtig auf der Suche nach Hinweisen im Schädel, die schlechte Eigenschaften Schillers zeigen – geht wenig zimperlich damit um. Und dann passiert es: "Schiller entzwei – mitten durch das Organ der Spintisiererei", ächzt Goethe nur noch.
– Das Hörspiel "Kopfjäger" hat Premiere am Sonntag, 17. Mai, 20 Uhr im White Rabbit, Leopoldring 1.
Autor: Silke Kohlmann
