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10. September 2011

BZ-Porträt:

Steffen Rümpler: Das Design kam in die Quere

Freiburg bekommt eine neue private Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik, kurz HKDM, und der Design-Dozent Steffen Rümpler wird für mindestens sechs Jahre ihr erster Rektor.

  1. Screen- und Webdesigner: Steffen Rümpler Foto: ingo schneider

Dass Steffen Rümpler einmal was mit Kunst zu tun haben würde, liegt irgendwie nahe, denn er ist 1970 in Kassel, der Heimat der Documenta, geboren. Zur weltweit bedeutenden Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst hatte sein damaliger Kunstlehrer gute Kontakte, und so hatte Steffen Rümpler schon als Schüler das Glück, das große Documenta-Archiv zu sehen. "Das hat mich schon beeinflusst", räumt er beim Gespräch in seinem Büro in der Freien Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst in Freiburg ein, wo er seit sieben Jahren als Dozent arbeitet. In der Lehre sieht sich Rümpler auch als Rektor noch zu Hause, soweit dies die Verwaltungsarbeit zulassen wird, denn er findet es wichtig, an einer überschaubaren Hochschule wie der HKDM Kontakt zu den Studierenden zu haben.

Trotz seiner frühen Documenta-Erfahrungen hat Rümpler dann etwas ganz anderes studiert: Humanbiologie an der Universität Marburg. Nach Ende seines Diplomstudiums wollte er eigentlich in der Forschung arbeiten. "Ich hätte schon gerne meine Promotion gemacht", erinnert er sich. Dass es dann doch nicht dazu kam, lag daran, dass ihm seine zweite Leidenschaft, das Design, in die Quere kam und diese Leidenschaft ihn so sehr fesselte, dass er sich 1996 ein zweites Mal als Student einschrieb – für ein Studium der visuellen Kommunikation an der Fachhochschule Hannover. Diese doppelte Ausbildung, glaubt Rümpler, werde ihm bei seiner neuen Aufgabe als Rektor nützlich sein.

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Nach Ende seines Studiums im Jahr 2000 entwickelte Rümpler für Niedersachsens Strafanstalten im Auftrag des Landesjustizministeriums einen JVA-Online-Shop, in dem von Häftlingen hergestellte Produkte weltweit vertrieben wurden. Damals erreichte er bundesweit Bekanntheit, denn alle großen Magazine, Zeitungen und TV-Sender berichteten über das Projekt, da es in der Republik das erste seiner Art war.

Daneben spezialisierte sich Rümpler darauf, Naturwissenschaften und Design miteinander zu verbinden – etwa, indem er naturwissenschaftliche und medizinische Stoffe für die Wissensvermittlung visuell aufbereitete. Ihn beschäftigten Fragen wie die folgende: Wie schafft man es, komplexe wissenschaftliche Bilder so einzusetzen, dass der Laie sie versteht?

2001 zog Rümpler nach Freiburg; heute lebt er mit seiner Frau, einer Mikrobiologin, und seinen drei Kindern im Stadtteil Rieselfeld. Nach seinem Wechsel in den Breisgau arbeitete er zunächst als selbständiger Designer und Berater für wissenschaftliche Firmen sowie als Autor von Fachbüchern. Seine Steckenpferde: Neue Medien, Website-Design, interaktive Gestaltung ("die beste Gestaltung nutzt nichts, wenn der Nutzer sie nicht verwendet") und Simulationen. "Beim klassischen Design ist klar, was eine gute und was eine weniger gute Gestaltung ist. In den Neuen Medien gibt es davon aber ein unterschiedliches Verständnis." Auch weil das Entertainment-Design, die umsatzstarke Welt der Computerspiele, in die Neuen Medien Einzug gehalten hat. "Die Spielebranche muss man ernst nehmen, sie wird immer wichtiger", glaubt Rümpler und nennt als Beispiele die Bereiche Lernen und Weiterbildung.

Seit 2004 arbeitet der 40-jährige Rümpler als Dozent an der Freien Hochschule für Grafik-Design und Bildende Kunst Freiburg (FHF). 2005 entwickelte er dort den früheren Studiengang Webdesign weiter in den neuen Studiengang Screen- und Webdesign; seit 2006 ist er Leiter dieses Fachbereichs. Lange hat er parallel als selbständiger Designer und Dozent gearbeitet, bevor er sich 2008 entschied, ganz an der FHF zu arbeiten. Wirtschaftliche Gründe gab es dafür nicht, im Gegenteil: "Das Geschäft lief kontinuierlich immer besser. Ausschlaggebend war ganz einfach der Spaß, sich mit den Studierenden auseinanderzusetzen."

An der neuen Hochschule will Rümpler Musiker und Designer zusammenbringen. Denn: "Interaktive Medien brauchen Sound, und auch die Musiker können von den Neuen Medien profitieren, beispielsweise für ihre Selbstvermarktung." Und Kunst und Musik finden beispielsweise bei Performances zusammen. Nicht zuletzt deshalb sollen die Studierenden der HKDM jedes Semester eine Woche Blockunterricht aus einem der anderen Fachbereiche erhalten.

Der Designer Rümpler selbst spielt übrigens auch ein Instrument – das Klavier. Allerdings nur privat in den eigenen vier Wänden. "Mir ist die Musik aber nichts Unbekanntes, schon weil ich viel mit Sounds arbeite."

Autor: Frank Zimmermann