Stierkampf und Handshake

Das Gespräch Führte Sarah Trinler

Von Das Gespräch Führte Sarah Trinler

So, 07. Januar 2018

Kultur

Der Sonntag "Action-Kabarett" im Kursaal: Das Duo Onkel Fisch blickt in Säckingen auf 2017 zurück.

Der gerappte Wochenrückblick, der alle sieben Tage auf SWR3 läuft, hat Adrian Engels und Markus Riedinger vom Duo Onkel Fisch bekannt gemacht. Dass es sich lohnt, die beiden nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, beweisen sie mit ihrem aktuellen Bühnenprogramm "Onkel Fisch blickt zurück: Das Wichtigste Witzigste aus 2017", das sie am Donnerstag, 11. Januar, 19.30 Uhr, im Säckinger Kursaal präsentieren.

Der Sonntag: Kein Jahresrückblick 2017 kommt ohne die Themen Trump und AfD aus. Haben Sie Sorge, dass dies dem Publikum irgendwann zu viel werden könnte?

Adrian Engels: Natürlich ist Trump eine Goldgrube für jeden Komiker. Als wir den Jahresrückblick geschrieben haben, hatten wir auch zuerst das Gefühl, dass es zu viel Trump sein könnte. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Die Leute gieren nach Witzen über Trump. Der Humorkatalysator spielt bei unserem Jahresrückblick eine große Rolle: Man kann mit einem lachenden Auge auf Dinge schauen, die einem das Jahr über nicht so gefallen haben.

Der Sonntag: Und wie würden Sie das Jahr 2017 charakterisieren?

Markus Riedinger: Insgesamt eine Vereinfachung von Gut und Böse, aber auch ein großer Wille, sich dagegen zu stellen. Es ist ja nicht nur so, dass der Diskurs vereinfacht wurde, sondern es haben ja auch viele Leute gesagt: "Das ist uns zu blöd". Das gibt einem schon Hoffnung

Der Sonntag: Braucht man Hoffnung?

Engels: Ja, Hoffnung und Humor. Das ganze Jahr über werden wir mit Nachrichten zugeballert, die nunmal oft das Schlechte oder Katastrophale abbilden. Wenn man die Inhalte nimmt und in eine humoreske Form bringt, lässt sich besser mit ihnen umgehen. Denn eigentlich haben wir keine Möglichkeit, mit solchen Nachrichten umzugehen. Wie sollen wir denn auf Atomraketen aus Nordkorea reagieren? Man ist hilflos und emotional belastet, Humor kann da als Katalysator wieder raus helfen.

Der Sonntag: Auch wenn die Politik einen großen Raum in Ihrem Programm einnimmt, wird die ganze Bandbreite an Themen bedient.

Engels: Natürlich. Aber auch wenn wir ein höheres Augenmerk auf die Politik legen, sollte sich niemand davon abschrecken lassen. Zum Beispiel spielen wir den Konflikt der Katalonien-Krise auf der Bühne als Stierkampf nach.

Der Sonntag: Wer Sie als kämpfende Stiere erlebt, versteht auch, warum Sie Ihr Programm selbst als "Action-Kabarett" bezeichnen.

Engels: Das machen wir, weil uns zwei Punkte sehr wichtig sind. Zum einen klar das Politische und das Gesellschaftskritische zu benennen, zum anderen aber auch zu betonen, dass wir nicht die beiden sind, die ruhig zwei Stunden vor dem Mikro stehen und Fakten runterbeten. Wir müssen ausbrechen, singen, rappen, spielen. Bei uns gibt es auch sieben Tricks zu sehen, mit denen Trump versucht, beim Handshake andere Präsidenten in die Knie zu zwingen.

Der Sonntag: Sie beide sind ausgebildete Schauspieler. Kommt der Drang "auszubrechen" daher?

Riedinger: Das kann schon sein. Wir sind aber auch einfach absolute Bewegungsfanatiker und haben große Freude an Slap-Humor. Unsere Vorbilder reichen von Bugs Bunny bis hin zu Monty Python.
Engels: Ich denke, das Eklektische macht uns auch aus. Uns wird eben schnell langweilig. Wir wollen uns gegenseitig – und auch das Publikum – überraschen, sonst würden wir uns auf der Bühne irgendwann gegenseitig angähnen.

Der Sonntag: Sie sind im Radio, im Fernsehen, auf der Kabarettbühne und im Internet präsent. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Engels: Auf der Bühne. Da hat man einfach eine unfassbare Energie, die auch vom Publikum zurückkommt. Das ist eine unmittelbare Sache, die nur durch wenig zu ersetzen ist. Ich mag es, direkt zu spüren, dass das Publikum lacht.
Riedinger: Oder dich ausbuht ( lacht ).

Der Sonntag: Blicken wir doch einmal auf das frisch angebrochene Jahr 2018. Was wünschen Sie sich?

Engels: Was für mich persönlich wichtig ist, lässt sich kaum zusammenfassen, da man nach wie vor nicht weiß, wie die Regierung sich entwickeln wird. In Deutschland ist alles drin, in Amerika ist alles drin, in Europa ist alles drin. Man hat das Gefühl, bei allem auf Messers Schneide zu stehen – aber es kann auch sein, dass nichts passiert.
Riedinger: Beim Blick auf 2018 schlagen bei mir zwei Herzen in einer Brust. Als Kabarettist habe ich das Gefühl, dass es wieder ein irre spannendes Jahr wie die vergangenen geben könnte. Als Bürger hingegen würde ich mir ganz ehrlich ein bisschen mehr Ruhe und Harmonie wünschen. Und mit ein ganz bisschen Glück kommen auch die Engländer wieder zurück.

Das Gespräch Führte Sarah Trinler