Stille, schräge Genießer

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 16. Dezember 2018

Kultur

Der Sonntag Das Freiburger Grenzenlos-Festival feiert 2019 mit Uta Köbernick und Idil Baydar seine 20. Ausgabe.

Schräges ent- und wiederentdecken, lokale Größen stärken, alte Bekannte begrüßen: Ende Januar/Anfang Februar gibt es die 20. Auflage vom Freiburger Grenzenlos-Festival.

"Wir genießen still, nicht exzessiv", sagt Martin Wiedemann, Programmmacher vom Freiburger Vorderhaus. Klar, "20 Festivals sind eine ganz schöne Strecke". Eine enorme Künstlerschar hat sich seit 1999 beim Grenzenlos-Festival gezeigt und dabei die große Bandbreite der Kleinkunst, die von circensischen Elementen über Chanson, Lesungen und Comedy bis hin zum klassischen Kabarett reicht.

Das Vorderhaus tritt mittlerweile gemeinsam mit dem SWR Studio Freiburg, Vaddi Concerts und der FWTM als Veranstalter auf. Und zusammen hat man auch erneut für das Programm, das 2019 wieder mit einer gemeinsamen Opening-Gala mit der Kulturbörse am 20. Januar beginnt und auf verschiedenen Spielstätten bis zum 3. Februar andauert, ein interessantes Paket an Künstlern geschnürt, das von "verstörend-irritierend" bis "schlicht unterhaltend" reichen soll.

Uta Köbernick, bereits mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und dem Salzburger Stier ausgezeichnete Schauspielerin, wird etwa ihr neues Programm "Ich bin noch nicht fertig" (26. Januar) vorstellen. Froh zeigt sich Wiedemann darüber, dass man 2019 die über Youtube mit ihrer Kunstfigur Jilet Ayse sehr bekannt gewordene Schauspielerin und Kabarettistin Idil Baydar gewinnen konnte. "Ihr Programm ist nicht nur sehr unterhaltsam, man erfährt außerdem eine Menge über das, was in den Sozial- und Jugendämtern von Berlins Stadtteilen so verhandelt wird."

Hans Well dürften viele als den langjährigen, erfolgreichen Autor und Kopf der legendären Biermösl Blosn kennen. Er kommt gemeinsam mit seinen Kindern als "Hans Well und die Wellbappn" nach Freiburg. Einen Mix aus heimelig-gemütlicher Volksmusik und brandaktuellen satirischen Texten soll es an diesem "Familienabend" (31. Januar) geben.

Auch bereits unter der Rubrik "Freunde des Festivals" firmierende alte Bekannte wie der durch sein Gesamtwerk spazierende Schweizer Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler (30. Januar) oder Ulan & Bator mit dem Programm "Irreparabeln" kommen 2019 nach Freiburg. Zudem gibt es wieder einen regionalen Schwerpunkt. So wird Bea von Malchus ihr Programm "Yankee Jodel!", bei dem es mit Mark Twain in die Alpen geht, vorstellen. In der Seilbahn auf den Schauinsland fährt das Grenzenlos-Publikum dieses Mal, um Ulrike Derndinger und Heinz Siebold zu sehen. Die Experten für die alemannische Sprache haben ihren Abend "Fremd si kannsch überall – deheim si aber au" getauft.

Und nur still genossen wird offenbar doch nicht. Denn mit dem "Festival Frühschoppen" mit Martin Wangler gönnen die Veranstalter ihrem Publikum am Sonntag, 27. Januar, einen eintrittsfreien Auftritt. Und zudem, so heißt es, soll der Hochschwarzwälder zu seinem Programm auch das von einer regionalen Brauerei gestiftete Freibier mitbringen. "Das gönnen wir uns jetzt einmal", sagt Martin Wiedemann. Eigentlich gehört ja das Knappkalkulieren seit Bestehen zum Aufgabenkatalog der Macher. "Wir kamen bislang ohne Zuschüsse aus", betonen sie. Mit 4 500 bis 5 000 Zuschauern rechnen sie wieder, was dann einen Etat von knapp 100 000 Euro ergibt, den es Jahr für Jahr mit Eintrittsgeldern und Sponsoren zu erwirtschaften gilt.
20. Freiburg Grenzenlos Festival, 20. Januar bis 3. Februar, verschiedene Orte, das Programm und die Anfangszeiten finden sich unter http://www.freiburg-grenzenlos-festival.de Karteninformationen gibt es im Internet unter http://www.bz-ticket.de/karten oder auch unter der Telefonnummer 0761 / 496 88 88.