Urkunde fürs Bürgerrecht

KNA

Von KNA

Do, 14. Juni 2018

Kultur

Weltdokumentenerbe "Constitutio Antoniniana" wird gezeigt.

Die Unesco hat die historische Bedeutung des in Gießen aufbewahrten, 1800 Jahre alten Rechtsdokuments "Constitutio Antoniniana" des römischen Kaisers Caracalla betont. Das Papyrusdokument zählt seit dem 30. Oktober 2017 zum Weltdokumentenerbe. Bei einem Festakt zur Übergabe der entsprechenden Urkunde sagte Joachim-Felix Leonhard, Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission, am Mittwoch in Gießen: "Die Constitutio Antoniniana steht im Unesco-Weltregister neben der Magna Charta von 1215, der Goldenen Bulle von 1356, der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776, dem Freiheitsbegriff der Französischen Revolution von 1789 und der Menschenrechtserklärung im südkoreanischen Gwang-ju von 1980."

Diese seien jeweils "bedeutende Dokumente für die Entwicklung von Verfassung und Recht", sagte Leonhard. Das Papyrusdokument in Gießen ist den Angaben zufolge das einzige erhaltene Exemplar jener Verordnung ("Constitutio"), mit der Caracalla um das Jahr 212/213 allen freien Bewohnern des Römischen Reichs das römische Bürgerrecht verlieh.

Die Bezeichnung "Antoniniana" leitet sich vom offiziellen Kaisernamen Caracallas, Marcus Aurelius Severus Antoninus, ab. Bis zu dieser Verordnung hatten viele Bewohner des Reichs den Rang von "Fremden" inne und damit einen gegenüber den römischen Bürgern nachteiligen Rechtsstatus im Bereich des Straf- und Zivilrechts, der Steuerveranlagung und der sozialen Mobilität.

Das Dokument wird an diesem Donnerstag und Freitag erstmals öffentlich in der Universitätsbibliothek Gießen ausgestellt. Derzeit zählen 427 Dokumente aus aller Welt zum Weltdokumentenerbe, darunter 24 aus Deutschland.