Weltoffen und menschenzugewandt

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Mo, 28. Mai 2018

Kultur

Der Historiker und Geschichtsdidaktiker Wolfgang Hug ist im Alter von 86 Jahren in Freiburg gestorben.

Geschichte war für ihn stets gelebtes Leben – und aus humanistisch geprägter Sicht wollte er stets verstehen, warum Menschen so und nicht anders gelebt haben. Das Verstehen war aber untrennbar verbunden mit dem Erklären, um der Nachwelt zu vermitteln, aufgrund welcher Bedingungen sich in der Vergangenheit die Menschen so und nicht anders entschieden haben – obwohl sie zumeist die Chance hatten, sich auch anders zu entscheiden. Und so war die Offenheit des Geschichtsprozesses eines der Hauptthemen, die er, folgt man den Berichten seiner Studenten, in den Mittelpunkt seiner geschichtsdidaktischen Überlegungen gestellt hat. Nun ist Wolfgang Hug, wie erst jetzt bekannt wurde, am 19. Mai im Alter von 86 Jahren gestorben.

Geboren in Stühlingen, hatte Hug zunächst Deutsch, Geschichte, Latein und Philosophie an der Universität Freiburg studiert und war nach dem Staatsexamen nach München gewechselt, wo er 1957 mit einer Arbeit über hochmittelalterliche Biographien promovierte. Danach entschied er sich zunächst fürs Lehrerdasein an Gymnasien in Lahr und später in Freiburg. Doch nach zwei Jahren bei der deutschen Unesco-Kommission in Köln folgte er 1962 dem Ruf an die frisch gegründete Pädagogische Hochschule in Freiburg, wo er die Professur für Geschichte und ihre Didaktik übernahm. In dieser Eigenschaft prägte er bis zu seiner Pensionierung 1994 ganze Generationen von Lehrkräften, zugleich gab er mit neuen Schulbüchern dem Geschichtsunterricht frische Impulse.

Von Ruhestand konnte freilich keine Rede sein, Wolfgang Hug blühte nun auf als Autor vieler Bücher und Aufsätze, die sich vor allem um die badische Landesgeschichte und lokale Historie kümmerten. Schon 1992 war seine später wieder aufgelegte Geschichte Badens erschienen, 2006 gab es dazu eine Kurzfassung als "Kleine Geschichte Badens".

Er bettete dabei die Geschichte dieser Region, die es als politische je erst richtig seit Beginn des 19. Jahrhunderts gab, ein in die großen Zusammenhänge, zugleich schilderte den historischen Alltag, und auch in der Lokalgeschichtsschreibung hielt er nichts von der Kirchturmperspektive.

Auch wenn er gern im direkten Gespräch mit leise ironischem Unterton von seinen Einsichten in die Geschichte berichtete, so waren seine stets gut lesbaren Veröffentlichungen geprägt von wissenschaftlichem Ernst – was aber nicht ausschloss, dass er sich auch an leichteren Formen probierte, wie etwa in dem Buch "Von Badischen und Unsymbadischen". Als engagierter Katholik, der in seinen Beiträgen zur Religionsgeschichte zu spüren ist, war er dennoch überzeugter Anhänger der Ökumene. Noch sein 2016 erschienenes Buch zu den Kirchenliedern als ein Beitrag zum Reformationsjubiläum zeigt diese weltoffene und menschenzugewandte Seite Wolfgang Hugs.