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14. August 2010 04:16 Uhr
Konzertkritik
Wie war's bei ... Placebo in Colmar?
Bei der Weinmesse in Colmar hat dieBand Placebo einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Denn was nutzt alle Energie und eine perfekte Inszenierung, wenn dabei die Schönheit der Stille verloren geht?
Der erste Eindruck: Eine Band auf der Suche. Nach neuen Zielen. Und dem rechten Maß.
Setlist: 19 Songs, unter anderem "Every You Every Me", "Taste in Men", ""The Bitter End", "Song To Say Goodbye", Ashtray Heart", "Battle For The Sun", "Breathe Underwater", "The Never-Ending Why", "Trigger Happy Hands", "Soulmates", "Meds", "Teenage Angst", "Post Blue" und "Infra-Red".
Die Musik: Darf es ein bisschen mehr sein? Das Placebo Sextett türmt mit bis zu drei Gitarren, zwei Keyboards und Geige einen Wall of Sound auf und taucht dieses musikalische Monument 85 Minuten lang in ein Bad aus Licht und Bildern. Leider hilft viel aber nicht immer viel.
Augenschmaus: Die LED-Innung hat bestimmt ihre helle Freude an Placebo. Die Band leistet sich einen bühnenbreiten, fünf Meter hohen Diodenvorhang, um die Musik mit allerlei bedeutungsschwangeren Bildern von Hochhaussilos, Überwachungskameras, einer durch den Schlick staksende Möwe und der Mona Lisa zu untermalen.
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Dresscode: Ganz in Weiß. Und zwar Mensch und Maschinen. Vom Hintern des Bassisten Stefan Olsdal baumelt ein Schal, der perfekt mit seinem weiß lackierten Marshall-Turm harmoniert. Sänger Brian Molko kombiniert unbunte Jeans, Hemd und Mikrokabel mit Chelsea-Boots, Hornbrille und Wollbeanie in kontrapunktischem Schwarz. Sieht gut aus und ist auch noch praktisch, weil so das knallig monochrome Scheinwerferlicht aufs Schönste reflektiert wird.
Zwei-Klassen-Gesellschaft: Brian Molko und Bassist Stefan Olsdal opfern sich auf. Irgendwer muss der Band ja ein Gesicht geben und im gleißenden Rampenlicht vor sich hin schwitzen. Der vor drei Jahren angeheuerte Schlagzeuger Steven Forrest und die Mietmusiker Bill Lloyd, Alex Lee und Fiona Brice dürfen sich dezent im Hintergrund halten. Zwischen all den Instrumenten und Verstärkern ist es zwar eng, dafür aber schön schattig.
Der nostalgische Moment: Als Placebo "All Apologies" von Nirvana covern, hält ein einzelner Fan sein angezündetes Feuerzeug in die Luft. Für die jüngeren unter unseren Lesern: Als es noch keine Handys gab, haben das alle so gemacht, selbst Nichtraucher.
Bewertung: Eine Drei für Placebo XXL. Die Band klotzt, das Publikum im zu Drei Vierteln vollen Amphitheater staunt, aber irgendwie bleibt jeder für sich. Ein perfekt inszeniertes, aber autistisches Vergnügen.
- Wie war's bei ... Alice Cooper in Colmar?
Autor: Peter Disch
