Kunst

Der Basler Soundkünstler Denim Szram verwandelt die Freiburger Johanneskirche in einen strahlenden Resonanzraum

Dietrich Roeschmann

Von Dietrich Roeschmann

Do, 24. Januar 2019 um 19:25 Uhr

Kunst

Im Rahmen der Reihe "Kunst in der Johanneskirche" spielt der Soundkünstler Denim Szram in dem Freiburger Gotteshaus mit den Begriffen Erleuchtung und Beleuchtung.

Jeden Abend, wenn derzeit für ein paar Stunden die Türen der Freiburger Johanneskirche öffnen, reißt im Altarraum gleißendes Licht ein Loch in die Wand. Es ist nicht leicht, sich diesen Strahlen zu entziehen. Und doch ist es unmöglich, es einfach zu nehmen wie es ist, nämlich als ziemlich helles Leuchten – weil Licht in der Kirche eben nie in Lumen gerechnet wird, sondern immer in Einheiten des Göttlichen. Das weiß auch Denim Szram, und es dürfte ihm nicht unrecht sein.



Tatsächlich nutzt der Basler Medienkünstler diese Bedeutungsverschiebung von Beleuchtung zu Erleuchtung als dramaturgisches Mittel für seine Sound- und Lichtarbeit "Klangregung", die heute im Rahmen der Reihe "Kunst in der Johanneskirche" eröffnet. Die Flutlichtscheinwerfer, die er vom Chor aus punktgenau auf den Eingang gerichtet hat, sollen die Aufmerksamkeit der Menschen beim Betreten der Kirche absorbieren und sie erst nach einer Weile registrieren lassen, dass die Luft um sie herum gefüllt ist mit kleinteiligem Gegurgel, Knistern unter Klicken, vibrierenden Bässen und dezent dröhnendem Summen. In rhythmischen Wellen brandet dazu rotes und blaues Licht durch die Seitenschiffe, begleitet vom Zirpen winziger Soundpartikel, die in großen Kreisbewegungen durch den Kirchenraum schwirren.

Denim Szram, 1990 geboren, hat in Darmstadt Digitale Medien und in Basel Audiodesign studiert und bereits zahlreiche Arbeiten für Schweizer Bühnen und Ausstellungsprojekte realisiert. Was ihn als Soundkünstler interessiert, ist der Dialog mit dem Raum, in dem er arbeitet, mit der Architektur, ihrer Akustik. Wie jeder Raum ist auch das Schiff der Johanneskirche sowohl Klangkörper – hier etwa für Messen oder Orgelkonzerte – als auch ein Resonanzraum seiner unmittelbaren Umgebung. In ihm hallt der Lärm des Verkehrs vor der Tür wider, das Schreien der Krähen auf den Bäumen nebenan, das Lachen der spielenden Kinder vom angrenzenden Schulhof.

Die wuchtige Architektur der Johanneskirche sei eine Art "Erlebnismaschine", sagt Szram. Über zwölf im Raum verteilte Lautsprecher und vier Subwoofer, die für die physische Erfahrung der "Klangregung" sorgen, füttert er diese nun mit pulsierenden synthetischen Sounds und Field Recordings von Vogelschwärmen und Waldatmosphären, so dass die Grenzen zwischen Innen und Außen, realem und imaginiertem Raum auf eine ähnliche und doch ganz andere Weise verschwimmen wie beim Blick ins gleißende Licht.

Johanneskirche, Günterstalstraße, 25.1. bis 3.2., Mo bis Mi 16-21 Uhr, Do 21.30-22.30 Uhr, Fr bis Sa 19-22 Uhr, So 16-19 Uhr. Vernissage: Fr., 25.1., 19 Uhr.