Neue Chance für Saint-Paul-de-Vence

Sabine Glaubitz

Von Sabine Glaubitz (dpa)

Sa, 11. August 2018

Kunst

Mit der ersten Biennale für zeitgenössische Kunst will das Küstendorf an seine Tradition anknüpfen.

Marc Chagall lebte in dem Dorf auf dem sanften Hügel oberhalb Nizzas. Pablo Picasso, Henri Matisse und Fernand Léger kehrten für ihr Leben gern in "La Colombe d’Or" ein, der Goldenen Taube. Das pittoreske Hotel-Restaurant gibt es noch heute. Doch aus dem ehemaligen Künstler-Treff ist eine Touristenhochburg geworden. Mit seiner ersten Biennale für zeitgenössische Kunst, der Biennale Internationale Saint-Paul-de-Vence, hofft das Küstendorf wieder seinen Ruf als Künstlermagnet zurückzuerlangen.

13 internationale Künstler wurden für diese Premiere ausgewählt, darunter Stars wie David Nash, Jan Fabre, Antony Gormley und Wang Keping. Die Werke haben vor allem entlang der Befestigungsmauer ihren Platz gefunden, denn die gepflasterten Gassen sind zu schmal für raumgreifende Arbeiten, wie "Der Mann, der das Kreuz trägt" von Jan Fabre. Die Bronzefigur des Belgiers hebt das gewaltige Kreuz auf der Place Neuve in den Himmel, so als wolle sie ihm drohen. Die Arbeit stellt eine Auseinandersetzung mit dem Glauben dar und ist ein Selbstporträt. Ein Bronze-Selbstbildnis in kleinerer Version thront auf der Eingangsmauer der nur etwa einen Kilometer entfernten Fondation Maeght, die Fabre derzeit eine Ausstellung widmet. Die Fondation, ein Kunstjuwel mit Skulpturengarten, zieht jährlich mehr als 200 000 Besucher an.

Nicht alle setzen ihren Besuch in Richtung des auf der Höhe liegenden Zentrums von Saint-Paul de Vence fort. Ein Beweis für die Galeristin Catherine Issert, dass das Dorf stark an Renommee eingebüßt habe. Die Händlerin, die seit 1975 in dem Ort Künstler wie John Armleder, Jean-Michel Alberola und Felice Varini vertritt, ist Biennale-Kuratorin. Das 3500 Seelen-Dorf – es gilt als eines der schönsten Frankreichs – zählt mehr als 30 Galerien. Zwei Millionen Touristen jährlich locken aber auch viele Händler an, die mehr auf das schnelle Geschäft setzen als auf Qualität.

"Es gibt viel zu tun, um das einstige Renommee wieder zu erlangen", erklärt Issert. Dabei helfen ihr Olivier Kaeppelin, Ex-Direktor der Fondation Maeght und Präsident der Biennale, sowie eine Auswahljury mit großen Namen, darunter der französische Künstler Bernar Venet und Frankreichs Stararchitekt Jean Nouvel, der in Saint-Paul de Vence wohnt.

Die Biennale dauert noch bis zum 31. August. Die Werke sind nicht zu übersehen, etwa die felsenartige Glaskomposition "Rock Shift Giant" des israelischen Künstlers Arik Levy, oder die Stahlskulptur "Une seule direction?" von Vladimir Skoda, die wie ein spitzer Magierhut auf der Stadtmauer thront. Nur wenige Meter entfernt überrascht die armlose Menschenfigur des Niederländers Henk Visch. Sie reckt ihren langen Hals über die Steinmauer, hinter der sich tiefblau das Meer erstreckt.