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07. April 2017 17:48 Uhr

Ausstellung

Werke von Marcel Scheible im Freiburger Kunsthaus L6

Fotografie, Druck und Video von Marcel Scheible im Freiburger Kunsthaus L6

Der populären Auffassung, dass das Medium selbst die Botschaft ist, arbeitet der 1974 geborene Basler Marcel Scheible mit verschiedenen Bildern zu. So mit dem Doppel "Viewfinder", das mal auf schwarzer, mal auf weißer Fläche das gezeichnete Sucherprisma einer Spiegelreflexkamera zeigt. Was in einem solchen Sucher zum Ereignis werden kann, zeigen Scheibles Fotografien in der von Jennifer Trauschke fürs Freiburger L6 kuratierten Ausstellung. Granit- und Betonplatten, quadratisch und rechteckig im Alltagsgrau der Gehwege, inszenieren sich als zufälliger Malgrund für ein Graffiti in Pink oder erschließen sich als Miniaturbühne für die flüchtigen Spuren eines Rosenkriegs.

Mehr als nur um zwei Bildmotive handelt es sich jedoch um eine Installation aus zwei am Fußboden lagernden Stapeln von je 250 Postern. "Strewn with Cutting Flints", dieses als Ausstellungstitel gewählte Zitat aus einem Reisebericht von Robert L. Stevenson, ist zugeschnitten auf das zentrale Werk "wer, wen?". Auch die "ausgestreuten Kieselsteine" verweisen auf eine Bodenbeschaffenheit. Mit seinen drei Metern ist es nicht nur die größte, sondern auch komplexeste Arbeit: Ein Hund und eine Taube nehmen sich durch einen Gitterzaun fest in den Blick – "wer, wen?" mit offenem Ende. Eine zerlegte Styroporbox, ockerfarbenes Gemäuer im Hintergrund sowie das Steingekröse des Bodens im Vordergrund evozieren eine südländische Atmosphäre, während auf "Securité Sociale" ein abweisendes Versicherungsgebäude aus dem weißgrauen Platz einer Stadtarchitektur herausgewachsen sein könnte. Als Gegenpol füllt ein Kinderkarussell diesen Winkel wie eine surreal-sinnlose Geburtstagstorte.

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Zum Abschluss verdichtet ein zwölfminütiger Video-Loop mit einer kreisenden Treppenhauslampe das subkutane Ordnungsprinzip dieser auf den ersten Blick ungemein heterogen wirkenden Ausstellung. Das Schachbrettmuster des Bodens tief unten, die heraufführende Treppenspirale, die exakten Lichtkreise, die die Lampe beschreibt: Wie beiläufig unterlegen geometrische Strukturen sämtliche Bilder dieser intelligenten Ausstellung. Beim Verlassen der Halle sollte man das im Deckenwinkel angebrachte "closed circuit" nicht übersehen. Zwei Überwachungskameras neutralisieren sich in einem toten Feedback. Auch das eine Botschaft des Mediums.

Kunsthaus L6, Freiburg, Lameystr. 6. Bis 30. April, Do, Fr 16–19, Sa, So 11–17 Uhr.


Autor: Herbert M. Hurka