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31. Mai 2014

Kunst als Stolperstein

Beim Kunstereignis "connected" in Bernau stutzen, staunen und denken die Besucher nach.

  1. Christel Steier mit einigen der eingeladenen Künstler. Foto: Susanne Filz

BERNAU. Gut umgesetzte künstlerische Ideen sind Stolpersteine. Man stutzt, staunt und beginnt nachzudenken. Viele Stolpersteine begegneten den Betrachtern der Arbeiten, die in den Tagen während Christel Steiers Projekt "connected" entstanden sind. Am Donnerstagabend wurden die Werke der beteilgten Weltklassekünstler vor vielen Gästen, unter ihnen die Bundestagsabgeordnete Rita-Schwarzelühr-Sutter und Landrat Tilman Bollacher, präsentiert. Manche Werke gingen unter die Haut und werden einen so bald nicht loslassen.

Etwa der Skulpturenweg der britischen Künstlerin Diana Bell, der eine Art Menschheitsgeschichte erzählt. 200 geknetete nackte menschliche Figuren im Miniaturformat, Männlein und Weiblein, haarlos und kaum mit individuellen Merkmalen ausgestattet, hat sie in eine Birke am Bach an der Straße gehängt, jedes von ihnen ist mit einem papierenen Fallschirm ausgerüstet. Nachempfunden sind sie den Flugschirmen, mit denen manche Pflanzenarten ihre Samen ausrüsten, damit diese vom Wind fortgetragen werden, um deren Art fortzupflanzen. Auch unter der Birke im Gras liegen, hingestreut wie Pflanzensamen, nackte Menschlein. An weiteren Stationen erklimmen die Menschlein Steine und Felsbrocken. An der letzten Station erreicht einer von ihnen den Gipfel des höchsten Felsens.

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Viele Besucher hatten den Entstehungsprozess der Werke in den zurückliegenden Tagen verfolgt. Die meisten seien von weiter her angereist, berichtet Christel Steier. "Aber auch von den Einheimischen habe ich bis jetzt nur Begeisterung gehört." Alle beteiligten Künstler kennt Christel Steier persönlich von Workshops her. Hinter Christel Steier und ihren Gästen liegt eine intensive Woche. "Es war ein Erlebnis, mit diesen wunderbaren Kollegen zusammenzuarbeiten", sagt etwa Andra Ivdra aus Lettland, die wie etliche andere der beteiligten Künstler den Schwarzwald zum ersten Mal besuchten.

Mehrere Werke widmeten sich dem Verrhältnis Mensch - Natur, etwa das erschütternde Skulpturenensemble von Bob Budd, der mit Aluminiumfolie und Fichtenzweigen philosophische Betrachtungen zum Verhältnis zwischen menschlichem Jäger und gejagtem Tier umgesetzt hatte.

Viele Besucher verfolgten die Entstehung der Werke

Bei so viel Natur war es ein besonderer Reiz der Präsentation, dass diese mit dem Veranstaltungsort Gewerbegebiet Weierle ausgerechnet an dem einzigen Flecken in Bernau stattfand, der so etwas wie ein Industriearchitektur-Ambiente anbot, dem das eindrückliche Graffiti-Kunstwerk des ägyptischen Künstlers Mina Nasr an der Wand eines gewerblich genutzten Bauwerks bestens zu Gesicht stand.

Der Parkplatz der Firma Schmidt bot nach der Präsentation auch den Rahmen für Literaturlesungen (Lilo Kulp, Sigurd Kaiser, Conrad Schierenberg), Musik (die Blechner, Bernd Wallaschek/Michael Rudigier) und Performance (Christel Steier und Freundinnen). Trotz der Vielzahl künstlerischer Eindrücke gab es auch viel Raum für Gespräch und gemütliches Beisammensein, wozu auch das fantastische internationale Menü aus der Küche des Kurhaus-Restaurants Schönemann seinen Teil beitrug.

Autor: Susanne Filz