KURZKÜR: Bolt ist überall

Laetitia Bürckholdt

Von Laetitia Bürckholdt

Sa, 24. Februar 2018

Olympische Spiele

Warum Sportler dem Star beim Geldverdienen helfen /.

Es scheint höchste Zeit zu sein, Wintersportler stärker finanziell zu fördern. Ihr Sport geht offenbar ganz schön ins Geld. Wintersportler fliegen mit Hubschraubern auf irgendwelche Gletscher, um den letzten Rest Schnee und Eis als Trainingsgrundlage nutzen zu können, wenn andere längst Dolce Vita am Meer genießen können. Dazu kommen die vielen Lagen an Trainingsklamotten, Funktionsstrümpfen und atmungsaktiven Hightech-Mützen, die so einen Wintersportler bei widrigen Trainingsbedingungen schützen müssen. Das alles muss bezahlt werden. Und das alles scheint sehr teuer zu sein.

So teuer, dass die armen Wintersportler offenbar selbst dann, wenn sie zu olympischen Ehren kommen, fürchten, mit ihren Lieben zuhause nicht angemessen anstoßen zu können. Warum sonst haben es Wintersportler bei den Spielen in Pyeongchang nötig, sich bei einem prominenten Sommer-Olympioniken derart anzubiedern? Er werde jedem Olympiasieger, der seine weltberühmte Geste – den sogenannten Boltblitz – nachahme, eine Magnumflasche Champagner zukommen lassen, hatte der jamaikanische Laufstar Usain Bolt versprochen, der 2017 in Rente gegangen ist. Schaut man sich all die Bilder der Medaillenzeremonien in Südkorea so an, muss man doch überrascht feststellen, dass nicht gerade wenige Sportlerinnen und Sportler bereit sind, das Social-Media-Werbeäffchen für den Werbemillionär aus der Karibik zu geben.

Während Bolt es auf seine unnachahmliche Art schafft, auch bei Winterspielen immer im Gespräch zu bleiben – Norwegens neuer Langlaufstar Johannes Kläbo konterte sein Angebot direkt mit einer Einladung zu einem vermutlich ebenfalls werbeträchtigen 100-Meter-Duell Ski gegen Laufschuhe im New Yorker Central Park –, bekommen die Wintersportler also immerhin etwas zum Anstoßen. Dass der Champagner fließen wird, daran besteht kein Zweifel. Bolt ist seit seinem Karriereende schließlich bei einem großen Champagnerhersteller angestellt. Als CEO – in diesem Fall "Chief Entertainment Officer", also als Spaßverantwortlicher. Seinem Arbeitgeber hat er mit seiner Kampagne zweifellos gute Dienste geleistet.

Vielleicht ist Mister Bolt nun wenigstens so nett zu seinen Wintersportkollegen, dass er dem Paket noch ein persönliches Geschenk oder wenigstens ein altes Lauftrikot beilegt, das sich dann zu etwas Geld machen ließe. Das wäre das Mindeste, um den Winter-Olympioniken dafür zu danken, dass sie ihren eigenen olympischen Moment dazu verschwendet haben, ihn einem ehemaligen, schwerreichen Sommersportler zu widmen, der mit ihrer Hilfe noch mehr Kohle scheffelt. Schließlich brauchte Bolt zur Ausübung seines Sports nicht viel mehr als ein paar ordentliche Laufschuhe.