Sommerfestivals

Lachen, weinen, tanzen: Matthias Schweighöfer und Band beim Emmendinger Festival "I EM Music"

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

So, 10. Juni 2018 um 18:00 Uhr

Rock & Pop

Film, Theater – und seit einiger Zeit auch die Konzertbühne. Matthias Schweighöfer erweist sich als Multitalent. Auch bei seinem Auftritt beim Emmendinger Festival "I EM Music"?

"Ja kann denn der auch singen?" Die Ankündigung, dass Schauspieler Matthias Schweighöfer zum "I EM Music"-Festival auf den Emmendinger Schlossplatz kommt – und dies nicht als Besucher –, weckte nicht nur einmal fragende Blicke. Klar, da gibt’s Lieder zu seinen Filmen wie "Fliegen" oder das gemeinsam mit Philipp Poisel gesungene "Eiserner Steg". Aber reicht das? Rund 1000 Besucher wollten es am Samstagabend wissen und gingen, gut zwei Stunden später, in der Gewissheit, zwar nicht den herausragenden Stimmkünstler, aber einen Entertainer erlebt zu haben, der durch höchste Präsenz zu begeistern versteht. (Fotos)

Dass sich einer, der vor und hinter der Kamera, aber auch auf Theaterbühnen zu Hause ist, auf Dramaturgie versteht, ist zu erwarten. So kommt das mit opulenten Klängen inszenierte Intro, zu dem die Band und zuletzt Schweighöfer selbst die Bühne betreten, nicht überraschend. Das soll es aber schon an Inszenierung für den Abend gewesen sein, denn was in den kommenden knapp zwei Stunden passiert, hat keine Spur mehr von einstudiert, geschweige denn abgespult. Hier stehen ein Sänger und seine Band, der er immer wieder als "meine Mannschaft", inklusive der Menschen im Background, Respekt zollt, im wahrsten Sinne des Wortes live auf der Bühne.

"Ich glaube an die Liebe und ich glaube daran, dass große Träume lebbar sind", so der Berliner. Solche Träume seien für ihn seine Filme, aber auch die Musik. Und nun hier auf der Bühne zu stehen und für die "Emmändinger" seine Lieder zu singen – das sei so ein wahr gewordener Traum. Wie er diesen mit dem Publikum teilt, wird zum ganz besonderen Erlebnis. Wozu es dafür Stühle braucht, bleibt ein Geheimnis, denn Schweighöfer will mit den Menschen auf dem Schlossplatz feiern. Und dazu gehört neben Lachen gelegentlich auch eine Träne weinen. Und eben auch Tanzen, was sich die Konzertbesucher nicht zweimal sagen lassen. Ab dem zweiten Lied stehen sie, verkneifen es sich dann aber doch – wozu sie Schweighöfer mit schelmischem Blick auffordert –, die Sitzmöbel in den VIP-Bereich zu werfen.

Positiv denken, Gefühle leben und den Moment genießen. Er selbst macht es vor

Tanzbar hat er viele seiner Songs gemacht, auch die eher Bedächtigen. Highlight unter den Leisen ist das instrumental nur dezent begleitete, zu fünft gesungene "Bester Freund". Der 37-Jährige erzählt in seinen Liedern nicht nur von den schönen Seiten des Lebens und verbindet damit immer wieder eine Mut machende, zum Kämpfen auffordernde Botschaft. Was sich dann auch in überwiegend pulsierenden, rhythmisch antreibenden Songs widerspiegelt. Positiv denken, Gefühle leben und den Moment genießen. Er selbst macht es vor.



Ein paar Akkorde am Klavier will er spielen: "Lauscht den zarten Klängen", fordert er das Publikum auf und lauscht dann plötzlich selbst, weil ihm die Vögel dazwischen zwitschern. "Das ist der Hammer, Mann", steht er sichtlich ergriffen vor dem begeisterten Publikum und macht spontan daraus einen Hammer-Mann-Rapp. "Könnten wir einbauen", erklärt er den verdutzten Musikerkollegen, die er zwischendurch auch mal auf der Bühne stehen lässt. "Das war das erste Mal, musste kurz aufs Klo", begründet er seine Bühnenflucht, um das Programm einmal quer durch die CD "lachen, weinen, tanzen" inclusive der eingangs erwähnten Titel fortzusetzen.

Schweighöfer hat Spaß, hüpft unermüdlich, klatscht, animiert zum Mitsingen und lacht über sich selbst, wenn ihm "Der nächste Song ist ein Lied" rausrutscht. Zum Finale, nach der Zugabe, gibt es dann einen Zuschlag. Nochmal "lachen, weinen, tanzen" wie schon zum Auftakt und das Versprechen: "Bis zum nächsten Jahr".