Als fielen Weihnachten und Ostern auf einen Tag

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Di, 14. November 2017

Lahr

Der Lahrer Gospelchor Golden Harps unter Friedhelm Matter feierte mit Gastsolisten und Band das 20-jährige Bestehen.

LAHR. Im Alltags-Sprachgebrauch klingt es eher nicht so gut, wenn jemand sagt, etwas geschehe nur, wenn Ostern und Weihnachten auf einen Tag zusammenfalle. Sprich: nie. Dass es aber zumindest auf musikalischer Ebene solche besonderen Momente gibt, wo Dinge zusammenfallen, die sonst in verschiedenen Schubladen zu liegen kommen, das durften die Besucher am Freitagabend in der bis in die oberen Ränge voll besetzten Lahrer Stadthalle erleben. Hier hat die mittlerweile überregional für die Qualität ihrer Darbietungen wertgeschätzte Gospel-Formation Golden Harps mit einer annähernd dreistündigen Gala ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert und im Verlauf des Programms sowohl ein unter die Haut gehendes Oster-Oratorium als auch ein vorweihnachtliches "Glory To The Newborn King" erklingen lassen.

Doch die zwei christlichen Hochfeste waren nicht das Einzige, was Chorleiter Friedhelm Matter da mit leichter Hand zusammengebracht hat. Auch das Repertoire an sich ist locker über Genre-Grenzen gesprungen. Da bekam Kirchenmusik der altehrwürdigen Art, wie das Große Halleluja von Händel, mit Schlagzeug, E-Bass, Keyboard, E-Gitarre und Percussion ein neues Rhythmus-Outfit verpasst, dem die Sängerinnen und Sänger mit exakter Staccato-Betonung zusätzlich jede Menge Pep verliehen. Im gleichen Atemzug sorgte aber ein Streicher-Quartett dafür, dass das Stück nicht zu sehr ins Flache, Poppige abrutschte, sondern durchaus seine Tiefe behielt. Das war so gut gemacht, dass das Publikum gar nicht anders konnte, als stehende Ovationen zu spenden.

Dass der Chor aber auch sogenannte weltliche Titel im Programm hat, zeigte sich an zwei schönen Songs, die – Kommerz und Charts hin oder her – durch ihre Texte das Zeug zur Kirchenmusik haben: das als modernes Hochzeitslied taugliche "Seite an Seite" der österreichischen Pop-Rock-Sängerin Christina Stürmer sowie der Gute-Laune-Sommerhit schlechthin, "Happy" von Pharrell Williams, der auch die Stadthallen-Besucher zum Schnippen und Flippen gebracht hat.

Was natürlich zwingend zum Repertoire der Golden Harps gehört, das sind Gospel und Worship Songs. In einer enormen Bandbreite brachten die rund 30 Sängerinnen und Sänger samt professionell besetzter Band mitreißende Lieder zu Gehör, die einen klanglich mal kurz mitnahmen auf die Baumwollfelder in den konföderierten Südstaaten. Dass der Chor auch dazu einen Solisten aus den eigenen Reihen hat sowie die für amerikanische Gospelchöre typischen, an Talare erinnernden Kleider der Sängerinnen tat ein Übriges fürs authentische Feeling.

Gängige Praxis bei den Golden Harps ist es auch, Gastsänger ins Programm einzubauen. Zu hören waren hier neben Mitbegründerin Marion Matter und dem Profimusiker Brendan Keeley zahlreiche ehemalige Solisten des Chores, unter anderem Reinhold Weber, der in munterem Plauderton durch den Abend führte und Gelegenheit bekam, einen vor zehn Jahren mit Chor und Tänzerinnen auf die Bühne gebrachten Titel nochmals zu inszenieren. Einziger Wermutstropfen der Gala: Im ersten Teil des Programms ließ der Sound vor allem im Bereich Sologesang und gesprochenes Wort stellenweise sehr zu wünschen übrig. Durch entsprechende Hinweise an die Tontechnik hat sich dies aber im zweiten Teil signifikant verbessert.

Dem Gesamteindruck haben diese Probleme sowieso nicht geschadet: Die Besucher haben hier ein vielfältiges, qualitativ auf höchstem musikalischem Niveau angesiedeltes Konzert erlebt.