Als Rauchen in war

Heinz Siebold

Von Heinz Siebold

Sa, 25. August 2018

Lahr

MUSEUMSGESCHICHTEN (19): Der Zigarettenautomat.

LAHR. Einen solchen Zigarettenautomaten gibt es heute nicht mehr: Fünf Fächer, ein Münzschlitz, ein Abbruchknopf und der Rückgabeschacht. Keine Altersprüfung.

Der Apparat im Stadtmuseum ist nicht mit Glimmstängeln gefüllt, sondern mit Werbefilmen der Lahrer Badischen Tabakmanufaktur (BTM) aus den Jahren 1950 bis1980. Die Werbespots zeigen untergegangenen Welten. Slogans wie "Naturrein rauchen – Reval genießen" versprachen Genuss ohne Reue.

Im Zeichentrickfilm folgt ein Falter dem Tabak von der Pflanze bis zur Zigarette im Aschenbecher. Deren Rauch inhaliert das Tier mit Vergnügen. Das Wirtschaftswunder der 60er Jahre verändert die Ästhetik. Der Berliner Werbefilmer Hello Weber inszeniert eine Welt mit eleganten Damen, fleißigen Männern und Familien beim Waschen des neuen Autos. Die Kippe ist immer dabei. "Im Tempo unserer Zeit – naturrein rauchen, Reval genießen." Doch der Zigarette geht mit der aufkommenden Debatte über die Schädlichkeit des Rauch-"Genusses" Stück für Stück die Luft aus. Werbespots in Radio und Fernsehen werden 1975 verboten, der Begriff "naturrein" ebenfalls. Reval ist nur noch "echt im Tabak und echt im Geschmack".

Roth-Händle führt in den 80er Jahren sogar eine "leichte Mischung" ein. Mit "nur" 0,5 Milligramm Nikotin und ohne Aromastoffe. "Das war nicht so erfolgreich", erinnert sich Fritz Pachot, langjähriger Pressesprecher der BTM. "Wer sich an das härteste Kraut neben Gauloises und Gitanes gewöhnt hatte, wollte keine Light-Zigarette." Da half auch nicht die Benebelung der Journalisten, die zur Produkteinführung auf Kosten von Roth-Händle nach Berlin fliegen, üppig tafeln und nobel übernachten durften. Gerne auch mit Gattin. Die Lahrer Tabakfabrik wurde 2007 endgültig geschlossen. Eigentümer Reemtsma war bereits 2002 von Imperial Tabacco ("Philip Morris") geschluckt worden. Reval und Roth-Händle überlebten als Nischenprodukte für Hardcore-Raucher.