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30. Juni 2010

Bei Schaeffler gibt’s vorerst keine Ruhe

Betriebsrat will sich mit der Verlagerung eines Produktionszweigs nicht abfinden – auch wenn keine Arbeitsplätze abgebaut werden.

LAHR. Die von der Schaeffler-Konzernleitung angekündigte Verlagerung der Produktion von Zylinderkugellager-Rollen vom Lahrer Werk in die Slowakei (BZ vom Samstag) sorgt weiter für Unmut. Der Betriebsrat hat am Montagabend in einem Pressegespräch Widerstand angekündigt.

Der Haussegen hängt bei Schaeffler Technologies schon seit geraumer Zeit schief. Weil der unerwartet starke Aufschwung für unerwartet volle Auftragsbücher gesorgt hatte, hatte die Werkleitung versucht, die hohe Nachfrage nach bestimmten Produkten durch regelmäßige Sonntagsarbeit und ein dauerhaftes Schichtsystem rund um die Uhr zu befriedigen. Für die Belegschaft hätte dies, so der Betriebsrat, bedeutet, dass sie in zehn Wochen nur ein freies Wochenende gehabt hätte. Nicht nur für den Betriebsratsvorsitzenden Gerhard Ohnemus eine unzumutbare Härte: "Freiwillige Sonntagsarbeit ja, aber nicht als Dauerzustand, sonst bleiben das soziale Leben und die Familie auf der Strecke." Um zu erkunden, ob die Belegschaft genauso denkt, sollen jetzt die Mitarbeiter befragt werden. Sollten die mehrheitlich für eine Ausweitung der Sonntagsarbeit votieren, werde sich der Betriebsrat nicht dagegen stemmen.

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Das Thema Schichtmodell ist nur ein Streitpunkt. Den Betriebsrat erbost, dass zum Jahresende 2010 zwar die 2004 ausgehandelte Arbeitsplatzgarantie ausläuft, nicht aber die 40 Stundenwoche, in der fünf Stunden unentgeltlich erbracht werden. "Allein durch den Lohnverzicht hat die Belegschaft die damaligen Investitionen in neue Maschinen in Höhe von 60 Millionen nahezu selbst finanziert", sagt Ohnemus. Dass die Werksleitung die Belegschaft in Abwesenheit der Betriebratsvorsitzenden über die Verlagerung der Kugelrollenlager-Produktion informierte, sieht Ohnemus auch nicht als einen Beitrag für ein gedeihliches Miteinander.

Für fadenscheinig hält nicht nur er das Argument, man habe vor Ort für den gestiegenen Bedarf in der Produktion nicht genügend Metallfacharbeiter gefunden. Ahmet Karademir, 1. Bevollmächtigter der IG Metall und Mitglied im Verwaltungsausschuss der Arbeitsagentur, weiß, dass es in der Region ausreichend Bewerber gäbe. Und Ohnemus will gehört haben, dass das Personalbüro auf den Bericht in der Zeitung mit Angeboten von Zeitarbeitsfirmen überschwemmt wurde. Stattdessen sollen nun die in der Kugellagerproduktion frei werdenden 95 Stellen anderen Produktionsbereichen zugeordnet werden.

In diesem Zusammenhang verweist Ohnemus darauf, dass die Belegschaft in der Krise der vergangenen zwei Jahre ihren Beitrag zur Bewältigung auch auf einem weiteren Gebiet erbracht habe: Während die Produktion der Kugellager in der Slowakei ungebremst weiterlief, habe man im Lahrer Werk Kurzarbeit angemeldet. Mitarbeiter hätten dadurch am Monatsende bis zu 1000 Euro weniger in der Tasche gehabt.

Konzernsprecher Marcus Brans versteht die Aufregung nicht. Schaeffler habe in Zeiten der Krise keine Festangestellten entlassen und lediglich auslaufende Zeitverträge nicht verlängert. Für die längst geplante Verlagerung der Fertigung der Kugelrollenlager habe man den Aufschwung abgewartet. Jetzt sei die Auftragslage so gut, dass man ohne Abbau von Arbeitsplätzen verlagern könne. Zudem habe man zwölf Mitarbeitern eine Zusatzqualifikation angeboten, die anderen würden in Produktionsbereiche mit größerer Wertschöpfung verteilt.

Autor: Manfred Dürbeck