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23. Juli 2009

Blick hinter die Glasfassade

Grüne mit Kandidat des Wahlkreises Emmendingen/Lahr, Alexander Bonde, beim MDK

LAHR. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) war Station eines Besuchs einer kleinen Delegation der Grünen mit Biggi Bender und dem Abgeordneten des Wahlkreises Emmendingen-Lahr, Alexander Bonde. Am Ende des Besuchs konstatierte Bonde, dass er schon oft an dem prägnanten Gebäude am Stadteingang von Lahr vorbeigefahren sei: "Jetzt weiß ich endlich, was hinter der Glasfassade ist."

Bender, die gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Bundestag und ehemalige Landesvorsitzende, fragte nach den Aufgaben des MDK und wie die Krankenhäuser oder Pflegeheime reagieren, wenn die Kontrolleure des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung auftauchen. "Das Ansehen des MDK hat sich gewandelt. Die Krankenhäuser gehen viel positiver als früher mit den Prüfungen um", antwortete Peter Dirschedl auf letztere Frage. Er ist als Internist und Kardiologe beim MDK Leiter des Bereichs medizinische Versorgungsstrukturen.

Zuvor hatte Gerhard Junker, stellvertretender Geschäftsführer, die Organisation als "organisatorisch selbstständigen und fachlich unabhängigen Begutachterdienst" vorgestellt, der im Auftrag der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen arbeite. Der MDK solle als Beratungsorgan medizinischen Sachverstand in das System einbringen und sicher stellen, dass alle Versicherten in strittigen Fällen neutral und nach bestimmten Kriterien beurteilt werden. Die Krankenkassen seien gesetzlich verpflichtet, den MDK bei wichtigen Leistungsentscheidungen mit Begutachtungen zu beauftragen. Zu dessen Aufgaben gehöre die Begutachtung von Behandlungen im Krankenhaus, die Überprüfung von Pflegeeinrichtungen, die Prüfung von Arbeitsunfähigkeit oder die Eingruppierung in Pflegestufen.

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Der MDK habe in Baden-Württemberg 900 Mitarbeiter, darunter 120 in der Zentrale in Lahr. 2008 habe der MDK beispielsweise 374 Qualitätsprüfungen in Pflegeheimen vorgenommen. Stark angestiegen seien Stellungnahmen in Einzelfällen. Weil viele Mitarbeiter aus dem kurativen Bereich der Medizin zum MDK und seiner Begutachtungstätigkeit wechseln, sei ein ausgeklügeltes Weiterbildungssystem wichtig, sagte Elisabeth Nüchtern, zuständig für die Abteilung Sozialmedizin. In die Qualifizierung der Mitarbeiter werde viel investiert.

Im Gespräch kam auch das System der Bezahlung nach Fallpauschalen in den Krankenhäusern zur Sprache. Insgesamt sei dieses System in den vergangenen Jahren verbessert worden. Streitpunkte gebe es meist nur in Einzelfällen, sagte Dirschedl. "Die einfachen Probleme sind gelöst. Für die schwierigen Fälle gibt es keine einfachen Lösungen." Es sei klar, dass die Kassen prüfen müssten. Dabei gehe der Trend zu Stichproben wie in Frankreich. Was fehle, sei ein treffendes Sanktionssystem mit positiver wie negativer Wirkung. Dirschedl: "Das ist bei uns im Moment noch ein zahnloser Tiger."

Autor: Hagen Späth