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20. Oktober 2011

Blutdruckmessungen über 24 Stunden können Klarheit bringen

BZ-TELEFONAKTION: Experten von Lahrer Herzzentrum und Mediclin Medizinischen Versorgungszentrum beantworteten die Fragen von BZ-Lesern zu Bluthochdruck.

  1. Foto: Bastian Henning

  2. Foto: Bastian Henning

LAHR (bnh). Bluthochdruck ist in Deutschland eine Volkskrankheit. Wieso die Erkrankung oft nur zufällig diagnostiziert wird, was sich dagegen tun lässt und wann besondere Eile angesagt ist, erfuhren gestern Anrufer bei einer Telefonaktion der Badischen Zeitung. Professor Eberhard von Hodenberg, Chefarzt der kardiologischen Abteilung am Lahrer Herzzentrum, und Kardiologe Udo Schwehr, Leiter des Mediclin Medizinischen Versorgungszentrums Lahr, standen Rede und Antwort.

»Ich nehme fünf Blutdruck senkende Medikamente gleichzeitig. Ist das wirklich sinnvoll?
"Wer bereits fünf Blutdrucksenker nimmt, hat per Definition einen schwer einstellbaren Bluthochdruck", sagt Udo Schwehr. Die Dosierung der einzelnen Medikamente sollte deshalb mit einem Blutdruckspezialisten besprochen werden. Patienten würden allerdings meist nie ganz von den Medikamenten wegkommen können. "Bluthochdruck gilt in der Regel als nicht heilbar."

»Mein unterer Blutdruckwert (der diastolische) liegt bei 70. Ist das zu hoch?

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"Nein, ein Blutdruck von 120 zu 80 ist normal. Niedrigere Werte sind optimal. Auch Werte zwischen 120 zu 80 und 129 zu 84 sind normal. Liegt ein Blutdruck zwischen 130 zu 85 und 139 zu 89, gilt das als ’hoch normal’. Das heißt, er ist zwar ein wenig zu hoch, aber noch normal. Die Faustformel für den oberen Wert ’100 plus Alter’ ist inzwischen überholt.

»Was ist, wenn die Spanne zwischen oberem (systolischem) und unterem (diastolischem) Blutdruckwert sehr groß ist?
"Das könnte auf einen Herzklappenfehler hinweisen", sagt Professor Eberhard von Hodenberg. Das gelt etwa für einen Blutdruck von 140 zu 50. Als Faustregel gelte: Der obere Wert sollte nicht über 140, der untere unter 90 sein.

»Ich bin ich den Wechseljahren und spüre immer wieder Herzklopfen. Muss ich mir Sorgen machen?
"Hier wäre zunächst eine 24-Stunden-Blutdruckmessung und ein Elektroenzephalogramm (EKG) angesagt. Dann kann ein Arzt entscheiden, ob Medikamente sinnvoll sind, oder nicht."

»Mein Mann spürt neuerdings einen Druck hinter der Brust, ist aber eigentlich eine Sportskanone. Sollte er sich untersuchen lassen?
"Beim Stichwort ,Druck hinter der Brust’ schrillen bei den Kardiologen alle Alarmglocken", sagt Eberhard von Hodenberg. Dann sollte rasch eine Untersuchung angesetzt werden, auch, um eine koronare Herzkrankheit auszuschließen. Womöglich leide jemand bereits seit Jahren unter Bluthochdruck, spüre es aber erst, wenn es schon zu spät sei. Das Heimtückische am Bluthochdruck sei, dass er oft nur zufällig diagnostiziert werde, weil er jahrelang keine Schmerzen verursachen muss.

»Gibt es homöopathische Präparate, die bei Bluthochdruck helfen können?
"Die gibt es. Allerdings gibt es noch keine Studie, die einen belegten Nutzen solch homöopathischer Präparate erwiesen hätte", sagt Udo Schwehr. Das gelte übrigens für sämtliche homöopathischen Medikamente.

»Was kann man noch tun, um den Blutdruck zu senken?
"Wichtig ist regelmäßige Bewegung. Außerdem sollte moderat mit Pulsüberwachung trainiert werden, etwa bei Breitensportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Übergewichtige sollten zunächst versuchen, abzunehmen."

Infos zum Thema Bluthochdruck auch auf http://www.hochdruckliga.de

Autor: Bastian Henning