Bonbonfarbene Naturgewalt

ej

Von ej

Mo, 15. Juni 2015

Lahr

Marlies Blume gastiert in Lahr.

LAHR. Richtiges Kabarett ist schwarz, allenfalls Cordhosenbraun, auf keinen Fall aber rosa. Richtiges Kabarett ist scharf, wenn rosa Püschel auftauchen, rechnet man eher mit Unterschichten-Comedy à la Cindy aus Marzahn. Bei Marlies Blume, die am Freitag beim Lahrer Kulturkreis im Stiftsschaffneikeller gastierte, passt keines dieser Klischees. Allerdings trifft die Gesellschaftskritik der Schwäbin aus Ulm oft genau ins Schwarze.

Marlies Blume, stolze Trägerin des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg (2008) und des Sebastian-Blau-Preises (2006) heißt eigentlich Heike Sauer, aber der Name passt nun wirklich nicht. Sie kommt als bonbonfarbene Naturgewalt auf die Bühne, begrüßt die 80 Gäste im Publikum überschwänglich mit "O wie schee, dass Sie do send. Ond i frei mi au, dass i do bin. Ond dass mir elle gleichzeidig do send". Gleich darauf verpflichtet sie sich selbst und das Publikum erst einmal zum gemeinsamen "Schdill-Sei". Das ist wohl ihre schwerste Übung an diesem Abend, denn still sein, das kann sie einfach nicht. Schon nach wenigen Sekunden fragt sie stöhnend "Kenna sie no?" und kommt schnell zum eigentlichen Sinn ihres Auftritts: Die persönliche Begegnung untereinander, das direkte Gespräch, dazu möchte sie ermuntern. Das gelingt ihr auch prima, denn mit dem gesunden Menschenverstand der legendären schwäbischen Hausfrau kritisiert sie Schönheitswahn ("Des guckt sich weg") und Volksmusik-Gedudel, das ihrer Meinung nach unter das Betäubungsmittelgesetz fallen müsste.

Marlies Blume trägt oft dick auf – vor allem als tatsächlich aufgeblasener Personaltrainer aus den USA, der jovial das Barbie Girl unter seiner Knute hält. Doch gerade diese Szene ist eine der stärksten in der zweieinhalbstündigen Show, weil der Zuckerguss des freundlichen Appells an das Gute im Menschen gepaart wird mit der Warnung vor denen, die jeden guten Willen untergraben. Immer nur freundlich und kommunikativ, das reicht halt dann doch nicht.

Die Mittel, mit denen Marlies Blume den Abend bestreitet, sind einerseits die Sprache, andererseits aber auch ein beeindruckender Kostüm- und Requisitenfundus und eine nette Art, das Publikum zur Beteiligung zu motivieren. So zart sie daher kommt, so biegsam und tänzerisch, so yoga-mäßig in sich und danach wieder aus sich heraus gehend, so klar ist ihre Haltung: Keinesfalls will sie von irgendeinem Prinzen auf Händen getragen werden, sondern lieber selbst fest auf beiden Beinen stehen. Großer Jubel, Pfiffe, Fußgetrappel. Ein gelungener Abend.