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02. Oktober 2009
Charme-Offensive im Schlachthof
Melanie Herr wickelt mit ihrer Band Bittersüß die Männer bei der Live-Schicht um den Finger
LAHR. Das süße Stückchen der Gruppe heißt Melanie Herr, kommt aus Elzach, ist 28 Jahre alt und hat schon als Kind mit dem Haarbürsten-Mikrofon im heimischen Flur vor dem Spiegel das Sängerin-Sein geübt. Das jedenfalls plaudert die Mutter aus dem Nähkästchen, während sie in der Pause mit unübersehbarem Stolz für ihre Tochter mit dem Hut herumgeht, um die Kollekte einzusammeln.
Bittersüß nennt sich die Band, die am Mittwoch bei der Live-Schicht im Lahrer Schlachthof zu Gast war und in der Melanie neben Michael und Matthias Resch, Michael Bähnisch und Andreas Körber mit der ihr eigenen Dynamik als Frontfrau und Texterin agiert. Die Lyrics sind zumeist Rockballaden, bald härter, bald softer arrangiert, die angesiedelt sind im Bereich zwischen sich explosiv entladenden Protestsongs und Liedern, die von erfolgreich ausgefochtenen Kämpfen mit dem eigenen Ego oder anderen (Un-)Annehmlichkeiten des Alltags erzählen. Da geht es um das nervige Warten auf einen Partner, der sich mit dem Nach-Hause-Kommen viel Zeit lässt, davon, dass man außer Arbeit auch noch anderes im Sinn haben sollte oder es wird sich zufrieden auf die Schulter geklopft:"Bleib so wie du bist".
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Melanies absoluter Lieblings-Song dreht sich aber – wie könnte es bei so einer attraktiven jungen Frau anders sein – um Männer. Hier schleicht sie dann wie eine Raubkatze durchs Bistro, nimmt gezielt Exemplare der Gattung Mann ins Visier und faucht sie mit einem wilden Lächeln an. Stimmlich kommt sie hier sehr stark an Alannah Myles heran, auch Rhythmus und Melodie dieses Stücks erinnern deutlich an "Black Velvet".Wo aber bleibt bei so viel Süße das Bittere aus dem Bandnamen? Schwer zu sagen, denn auch die vier gestandenen Männer der Truppe können sich sehen lassen, auch wenn sie die Charme-Offensive klar ihrer Frontfrau überlassen und sich eher dezent im Hintergrund halten, um dort die soliden musiktechnischen Grundlagen an zwei Gitarren, Bass und Drums zu legen.
Einziger Wermutstropfen des Gigs war die Gesamt-Lautstärke im ersten Teil. Hier fielen die sicherlich sehr ausgefeilten Texte der Verstärkerpower zum Opfer. Doch ein offenes Wort aus dem Publikum sorgte nach der Pause dafür, dass dieser Missstand behoben wurde.
Fetzig ging es in die zweite Halbzeit, wo die Band Bittersüß im Lahrer Schlachthofbistro voll Drive dem Höhepunkt des Abends entgegenrockte: "Das Beste feat. Wolfgang Heitz", der von seinem Platz auf dem Barhocker aus als mutiges Publikums-Versuchskaninchen sein spontanes Debut als Background-Sänger geben durfte.
Autor: Ulrike Le Bras
