Usutu-Virus

"Das Amselsterben ist in vollem Gang"

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Di, 04. September 2018 um 16:52 Uhr

Lahr

Der Usutu-Virus schlägt in diesem Jahr in Deutschland verstärkt zu und ist für den Tod vieler Amseln verantwortlich. Das Amselsterben sei in vollem Gang, sagt der Naturschutzbund. Eine Bestandsaufnahme aus Lahr.

Der Usutu-Virus, der in diesem Jahr wieder verstärkt zuschlägt und für den Tod vieler Amseln verantwortlich ist, macht wohl auch um Lahr keinen Bogen. "Das Amselsterben ist in vollem Gang", lautet die Einschätzung von Udo Baum vom Naturschutzbund (Nabu).

Das Problem ist, dass sich die Amseln zum Sterben zurückziehen und die wenigsten gefunden werden: "Vögel sterben still", sagt Baum.

Der Nabu ruft auf, tote Amseln zu melden

Weil das so ist, gibt es noch keine verlässlichen Zahlen. Um solche Daten zu erhalten, ruft der Nabu auf seiner Homepage dazu auf, tote Amseln zu melden oder – falls tote Amseln gefunden werden – sie gut verpackt und gekühlt direkt an das Bernhard-Nocht-Institut nach Hamburg zu schicken. Nur so könne die tatsächliche Todesursache oder das Virus festgestellt werden.

Udo Baum hält sich viel am Hohbergsee auf und hat dort die Beobachtung gemacht, dass dort nur noch zwei Amseln auftauchen: "Sonst waren das immer sechs oder sieben." Ein Bekannter von ihm habe in der vergangenen Woche vier tote Amseln in seinem Garten gefunden. Auch das sei ein sehr ungewöhnlicher Fund, weil sich die Vögel, wenn es ihnen nicht gut geht, zurückziehen.

Verschwinden der Vögel könnte noch eine andere Ursache haben

Indes hofft der Vertreter vom Naturschutzbund, dass sich im Laufe des Septembers einige Vögel wieder zurückmelden. Denn das Verschwinden der Vögel aus den Gärten könnte noch eine andere Ursache haben. Der August sei im Leben der Amseln jener Monat, in dem sie sich zur Mauser zurückziehen. Dann tauschten sie ihr Sommer- gegen das Winterkleid aus und haben danach, wenn sie wieder auftauchen, ihr Aussehen verändert.

Auch die hohen sommerlichen Temperaturen und die lange Trockenheit könnten für den Rückzug der Vögel an Waldränder und Bachläufe eine Rolle spielen. Wenn es so trocken ist wie in den vergangenen Wochen, ziehen sich auch die Regenwürmer, die ganz oben auf dem Speiseplan der Vögel stehen, in feuchtere Zonen des Erdreichs zurück und sind so für die Vögel schwieriger zu ergattern.

Der Usutu-Virus wird durch Stechmücken übertragen

Das zuvor nur in Afrika bekannte Usutu-Virus ist in Mitteleuropa erstmals im Jahr 2001 als Ursache für tote Amseln in Österreich nachgewiesen worden. Es wird durch Stechmücken übertragen. Inzwischen hat sich das Virus in ganz Mitteleuropa ausgebreitet. Im Jahr 2011 gab es am Oberrhein ein erstes großes Amselsterben, dem nach Schätzungen des Naturschutzbundes in Baden-Württemberg 300 000 Amseln zum Opfer fielen. Jetzt befürchtet der Nabu, dass diese Zahlen noch übertroffen werden könnten.

Nach den Angaben des Landesverbandes kann man eine Infektion der Tiere mit dem Virus weder verhindern noch behandeln. Nach einem Ausbruch der Krankheit würden zwar die Amsel-Zahlen spürbar zurückgehen, sich danach jedoch wieder – eventuell auf einem niedrigeren Niveau – stabilisieren.