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19. Juni 2017

Das Lächeln hinter der Bühne

LEUTE IN DER STADT: Miren Garcia de Cortazar organisiert das Veranstaltungsprogramm für die Landesgartenschau 2018 in Lahr.

  1. Miren Garcia de Cortazar lehnt an dem großen Wandkalender, dessen farbige Klebezettel die Veranstaltungen für die Landesgartenschau im nächsten Jahr markieren. Foto: Christoph Breithaupt

LAHR. Bis zu 3000 Veranstaltungen an 186 Tagen stehen im kommenden Jahr bei der Lahrer Landesgartenschau auf dem Programm. Für die Planung, Koordination und Ausführung ist Miren Garcia de Cortazar verantwortlich – eine gebürtige Spanierin mit einer großen Liebe zu Deutschland und viel Erfahrung im Veranstaltungsmanagement.

Miren Garcia de Cortazar sitzt quasi auf gepackten Koffern. Sie und ihre Mitarbeiter ziehen um – von der Geschäftsstelle der Landesgartenschau GmbH auf dem BBZ-Areal in ein Nebengebäude. Der Platz ist zu eng geworden. Sechs Frauen und Männer gehören mittlerweile zu ihrem Team, das nach und nach das Programm zusammensetzt. Es ist eine Puzzlearbeit und sinnbildlich hängt an der Wand ein etwa zwei auf zwei Meter großer Kalender mit vielen bunten Klebezetteln, gelb und orange. Jeder Zettel steht für eine Veranstaltung, jede Farbe für ein Thema – Musik, Theater, Kinder…

Miren Garcia de Cortazar stellt sich oft ein paar Metern weg vor den Wandkalender, um sich einen Eindruck, ein Gefühl zu verschaffen, was noch zu tun ist. Noch klebt auf vielen Tagen kein Zettel. Immerhin müssen drei Bühnen an 186 Tagen bespielt werden. "Am Anfang haben wir gedacht, das erschlägt uns: 3000 Veranstaltungen in 186 Tagen", sagt Garcia de Cortazar. "Ich wünsche mir natürlich, dass im nächsten Jahr alles voll ist. Wir sind schon ein Stück weit gekommen, es fehlt aber noch eine ganze Menge. Ich hoffe, dass wir im Herbst 60 bis 70 Prozent unter Dach und Fach haben."

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Seit Oktober 2016 sitzt sie im Landesgartenschauteam, der Vertrag endet im Dezember 2018. "Ich fühle mich hier großartig aufgehoben und spüre das Vertrauen der Geschäftsführung." Und auch mit der Stadt hat sie innige Freundschaft geschlossen: "Ich kannte Lahr nur von der Autobahn und war positiv überrascht. Die Menschen sind nett und offen und was zum Teil in der Kulturszene läuft, hat mich beeindruckt. Außerdem war mir gar nicht bewusst, dass die Ortenau so schön ist." Seit Mai wohnt sie unter der Woche in einem Appartement in Lahr.

Zehn Jahre bis 2001 war Miren Garcia de Cortazar für das Zeltmusikfestival in Freiburg Programmgestalterin und Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros, danach hat sie bis 2015 für eine Freiburger Eventagentur gearbeitet und unter anderem den Presseball betreut. Bei "Palais im Park" in Bremen, einer Dinnershow ähnlich dem Palazzo Colombino, war sie als künstlerische Leiterin tätig. Weil die Auftragslage schlechter geworden war, machte sich Garcia de Cortazar auf die Suche nach einem neuen Job – was sich nicht ganz so einfach gestaltete. "Ich wollte in meinem Metier und in der Region bleiben", erzählt sie, "ich hatte fast schon ein bisschen aufgegeben – bis die Ausschreibung für Lahr kam." Als sie zum Vorstellungsgespräch nach Lahr gekommen war, da stand für sie fest: "Hier möchte ich arbeiten." Luftsprünge habe sie deshalb gemacht, als die Zusage kam: "Es war mir klar, dass es eine große Aufgabe ist – wie groß allerdings noch nicht."

Mit neuen Aufgaben und Herausforderungen kennt sich die Spanierin aber aus. Aufgewachsen in Bilbao, schickten die Eltern die Tochter auf eine deutsche Grundschule. Später wechselte sie zwar wieder auf eine spanische Schule, das Interesse an Deutschland war aber geweckt: "Ich habe als Kind gemerkt, dass es in Deutschland anders läuft – und das hat mir gefallen." Und dann war da noch Nutella – "wer so etwas hat, muss fortschrittlich sein". Miren Garcia de Cortazar lacht, als sie sich erinnert. Sie ist offen, bietet bald schon das "Du" an, gestikuliert mit den Händen – und überspielt damit wohl auch ein bisschen ihre Nervosität. Als Fotomodell tut sie sich aber schwer. Als der BZ-Fotograf sie immer wieder auffordert "Lachen Sie doch mal, zeigen Sie Ihre Zähne", meint sie irgendwann etwas ungeduldig: "Fotografieren Sie mich doch, wie ich bin!"

Die Liebe zu Deutschland ist Garcia de Cortazar in ihrer Jugend und als junge Erwachsene geblieben, sie hat Deutschkurse belegt und Urlaube in Deutschland verbracht: "Alle sind in den Ferien in den Süden gefahren, ich in den Norden." Irgendwann meinte einer ihrer Lehrer, dass sie für längere Zeit nach Deutschland solle – als Au-pair für ein Jahr. Da war sie schon 25 Jahre alt, arbeitete als Bürokauffrau und hatte einen Freund. "Ich habe nachgedacht und gesagt: warum nicht? Ein Abenteuer kann nicht schaden."

Aus dem einen Jahr ist mehr als ein Vierteljahrhundert geworden. Sie hat sich verliebt und geheiratet, hat die Abschlüsse der Haupt- und Realschule nachgemacht, die anspruchsvolle Begabtenprüfung für die Pädagogische Hochschule geschafft und wollte eigentlich Lehrerin werden: "Das war eine Berufung für mich, aber dann ist die Veranstaltungswelt dazwischen gekommen." Es war nicht geplant, wie so vieles in ihrem Leben. Mit einer Freundin besuchte Garcia de Cortazar eine Versammlung des damaligen ZMF-Vereins, "ich saß da wie ein kleines Mäuschen und hatte keine Ahnung, von was die da sprachen". Irgendwann wurde sie gefragt: "Und was machst Du beim ZMF?" Schüchtern hat sie geantwortet: "Gläser spülen?" Daraufhin hat ein anderer gesagt: "Du bist die geborene Künstlerbetreuerin."

"Ich habe als Kind gemerkt, dass es in Deutschland

anders läuft – und das

hat mir gefallen."

Miren Garcia de Cortazar
Und jetzt also die Landesgartenschau? Mit ihrem "Superteam, ohne das es gar nicht machbar wäre" will sie ein Programm für alle machen. Die Vereine, Veranstalter und Künstler aus der Region sollen eine Plattform bekommen, dazu wird es Prominenz auf den Landesgartenschaubühnen geben. "Es soll alles bodenständig sein, aber mit Stil und auch Offenheit", sagt sie. Und was macht ein Erfolg für sie aus? "Wenn das Publikum zufrieden ist", sagt Miren Garcia de Cortazar, "wenn es mit einem Gefühl geht, dass es etwas erlebt hat. Dann werde ich hinter der Bühne stehen und lächeln".

Weitere Informationen zur Landesgartenschau gibt es unter http://landesgartenschau-lahr2018.de und im Online-Dossier der Badischen Zeitung unter http://mehr.bz/lgs-2018

INFO: Das Budget

Genaue Zahlen zum Budget will die Landesgartenschau GmbH nicht nennen, die Höhe orientiere sich an anderen Gartenschauen und liege im hohen sechsstelligen Bereich. Nicht enthalten darin seien Bühnen, Bühnentechnik, usw.

Die Bühnen

Es gibt drei Bühnen auf dem Landesgartenschaugelände: im Seepark mit maximal 1000 Sitzplätzen und überdacht; im Bürgerpark mit maximal 600 Sitzplätzen; im Kleingartenpark mit maximal 300 Sitzplätzen.

Veranstaltungen

Geplant sind laut Landesgartenschau GmbH unter anderem Thementage, wie den Tag der Inklusion oder den Blaulichttag, das Landesmusikfestival mit rund 60 Gruppen, einen Seniorentanztag, Wandertage, ein besonderes Format für den Tag der Deutschen Einheit und auch ein Feuerwerk. Für die Eröffnungsveranstaltung werden alle Lahrer Tanzschulen eine Aufführung einstudieren.

Prominenz

Die großen Künstler will die Landesgartenschau GmbH noch nicht verraten, weil teilweise die Verträge noch nicht geschlossen seien. Geschäftsführerin Ulrike Karl erwartet aber, "dass wir teilweise auch den Zutritt beschränken müssen, da die Künstler sehr bekannt sind". Der SWR als Medienpartner werde sicherlich das eine oder andere Format auf die Bühne bringen. "Mehr möchten wir derzeit aber noch nicht rauslassen. Die Spannung soll ja auch noch ein bisschen erhalten bleiben", schreibt Karl.  

Autor: ch

Autor: Christian Kramberg