Das Land will von Lahr lernen

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Mo, 18. Juni 2018

Lahr

Sozialminister Manfred Lucha lobt bei einem Besuch am Freitag die Bemühungen der Stadt um die Integration.

LAHR. Über "gesellschaftlichen Zusammenhalt" wollte Landesminister Manfred Lucha (Grüne), zuständig für Soziales und Integration, am Freitagabend in der Orangerie sprechen, am derzeit heiß diskutierten Thema Krankenhausversorgung ist er allerdings nicht herumgekommen.

Etwa 30 Gäste waren auf Einladung der Grünen und der Landtagsabgeordneten Sandra Boser gekommen, die meisten waren Parteimitglieder. Öffentlich hielt einzig die Hausärztin Nikola Schneider dagegen, als Manfred Lucha den Ortenaukreis zum "klaren, mutigen und zukunftsorientierten Kurs in der Krankenhausversorgung" beglückwünschte und es als "Schritt in die richtige Richtung" bezeichnete, Kompetenzen zu bündeln und Standorte zusammenzulegen. Schneider berichtete von Absagen, wenn sie Patienten ins Krankenhaus einweisen wolle, von Hausärztemangel und der sozialen Komponente dezentraler Klinikversorgung. Lucha versprach, dass an keinem der in der Diskussion stehenden Standorte "ein Vakuum" folgen werde, ohne jedoch konkret zu benennen, was dort an medizinischem Angebot nachfolgen solle. Außerdem äußerte Lucha die Hoffnung, dass Krankenhausärzte "sich in der Fläche niederlassen" würden und so den Haus- und Facharztmangel entschärfen.

Eindringlich beschwor Manfred Lucha danach den sozialen Zusammenhalt, den er nicht nur im Hinblick auf Zuwanderer, sondern unter anderem auch gegenüber Menschen mit Behinderung, Lesben und Schwulen, politisch Andersdenkenden, Religionen, Alten und Geringverdienern einforderte. Lucha lobte die Lahrer Erfolge bei der Integration und die am Quartiersgedanken ausgerichteten Bemühungen um ein gutes Zusammenleben.

Senja Töpfer, Amtsleiterin für Soziales, Schulen und Sport der Stadt Lahr, bedankte sich für die Zusage des Landes, im Rahmen des "Paktes für Integration" Prozessbegleiter an die Seite gestellt zu bekommen, um neuen Anforderungen begegnen zu können. Gleichwohl gebe es – unter anderem bei der Sprachförderung von Kindern – immer noch große Aufgaben zu bewältigen. "Lahr ist nicht zufällig ausgewählt worden", erwiderte Lucha, sondern das Land wolle von den "kommunalen Angeboten in Lahr lernen". Zugleich sei die Zusage ein "Dankeschön, dass Sie in den letzten Jahren so aktiv und engagiert waren". Mit Hilda Beck als Mitglied des Landesbeirats für Integration sei er in gutem Austausch.

Flüchtlingshelfer kritisieren Bürokratie

Lucha lobte die große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen. Dass die Helfer sich mehr praktische Unterstützung vom Land wünschen, machten zwei ehrenamtlich Engagierte deutlich, die mit drastischen Beispielen bürokratische Hürden und widersinnige Regelungen aufzeigten. Lucha versprach, ihre Anliegen mitzunehmen. Ein Redner kritisierte den Hang zu immer mehr Standardisierungen und weniger Ermessensspielräumen in der Verwaltung. Lucha verwies auf die Notwendigkeit zu prüfen, ob öffentliche Leistungen ihren Zweck erfüllen, sprach sich aber für Zielvereinbarungen aus statt für "tausend Kontrollen".