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12. November 2009

Das Rhinozeros als Identifikation für den Oberrhein

Professor Frank Baasner sprach über institutionelle Zusammenarbeit und gesellschaftliche Wirklichkeit in der Region

RUST (eri). Jetzt soll’s das Rhino richten. Ein Rhinozeros in verschiedenen Rottönen soll die Identifikationsfigur der Menschen am Oberrhein sein. Ein einendes Symbol sei wichtig, denn der trinationalen Region fehle es an Einheit, sagte Professor Frank Baasner, Leiter des deutsch-französischen Instituts (dfi) in Ludwigsburg, bei seinem Vortrag mit dem Titel: "Institutionelle Zusammenarbeit und gesellschaftliche Wirklichkeit am Oberrhein – zwei parallele Welten".

Er sprach auf Einladung der Volksbank Lahr am Dienstagabend im Europa-Park und machte deutlich: Rot steht für den Sandstein des Schwarzwaldes und der Vogesen. Das Rhinozeros symbolisiert Kraft, Ruhe und phonetisch den Rhein.

Einer repräsentativen Umfrage zufolge, wünscht sich die Mehrheit am Oberrhein, Wohnort von sechs Millionen Menschen zwischen Basel und Landau, eine Verstärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. "Seit 35 Jahren unterstützt die Verwaltung den grenzüberschreitenden Austausch", sagt Baasner. "Aber die Menschen hier haben den Eindruck, dass nichts passiert." Kein Wunder, denn kaum jemand bekomme mit, was etwa bei den 250 Interregprogrammen passiert, Projekte, die die EU mit Steuergeldern zur Hälfte finanziert. "Wenn Sie in einem Flugzeug sitzen, dann wollen Sie vom Kapitän keine technischen Daten hören, sondern wann es los geht und wo es hinfliegt", verdeutlicht Frank Baasner das Problem.

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Der Chef des dfi spricht von einem Wahrnehmungsdefizit und warnt vor einem Verlust an Demokratie, wenn sich Europa in abstrakten Verwaltungsschienen entwickelt. Die Menschen würden einem Europa nicht vertrauen, das sie nicht begreifen. Immer weniger Menschen gingen zur Wahl. Generell sei eine Tendenz zu mehr Nationaldenken zu beobachten. Gerade Grenzregionen, wie die am Oberrhein, sollten Laboratorien Europas sein, wie der Präsident der Fondation Entente Franco-Allemande, der Stiftung für die deutsch-französische Verständigung, André Bord, formuliert. Es gelte vor allem mentale Hürden zu überwinden.

Die Bürger kennen die Institutionen nicht
Deshalb sei es wichtig, dass diese Befragung stattgefunden habe. Die Studie dazu wurde bereits 2007 erstellt. Darin werde deutlich, dass die Erwartungshaltung gegenüber einem trinationalen Austausch hoch sei. "Wir haben ein großes Plebiszit", sagte Professor Baasner. Aber die Bürger kennen die Institutionen nicht. In der Befragung schnitt der Europa-Park in seinem Bekanntheitsgrad mit Abstand am besten ab. Dann kam lange nichts, dann war der Begriff Eurodistrikt bekannt, weniger dessen Inhalt, dann wieder lange nichts. "Die Bürger trauen sich nach dieser Umfrage selbst noch am meisten zu, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu beleben", sagte der Vortragende. Deshalb musste ein Branding gestartet werden. Das Rhino ist Sieger eines internationalen Wettbewerbs und soll die Kraft haben, ein einigendes Symbol für die Bürger der drei Staaten am Oberrhein zu werden.

Dass sich die demokratischen Kräfte auch in Frankreich bündeln, zeigte ein Manifest, das während des Vortrags von elsässischen Gästen der Veranstaltung ausgeteilt wurde. Es stammte von der Bürgerinitiative für Einheit in der Vielfalt, Initiative Citoyenne Alsacienne (ICA), mit Sitz in Straßburg.

Autor: eri