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22. März 2010
Den fünf Musikern gelingt fast eine Zeitreise an den englischen Hof
Mit seinem neuen Ensemble Classic Brass kehrt Trompeter Jürgen Groblehner nach einem Jahr Elternzeit für ein Konzert nach Lahr zurück.
LAHR. Eigentlich soll man ja nicht vergleichen, aber im Fall des Bläserquintetts Classic Brass, das in der Evangelisch-Methodistischen Kirche in Lahr gastierte, kommt wohl niemand im Publikum umhin, sich an die Auftritte von Harmonic Brass an gleicher Stelle zu erinnern.
Trompeter Jürgen Gröblehner hat sich 2008 von diesem erfolgreichen Ensemble getrennt und nach einem Jahr Elternzeit mit Classic Brass neu angefangen. Harmonic Brass stellt Virtuosität und Popularität in den Vordergrund, Classic Brass dagegen besinnt sich auf die musikalischen Wurzeln, behält lediglich die nach wie vor von Gröblehner launig präsentierte Moderation bei. In die Vorstellung seiner gleichberechtigt agierenden Mitmusiker Paolo Fazio (Trompete), Annegret Gneuß (Horn), Michael Peuker (Posaune) und Martin R. Leipoldt (Tuba) flocht Gröblehner auch die Entstehungsgeschichte von Classic Brass ein, die – obwohl das Quintett erst seit November konzertiert – schon als musikalische Dokumentation auf DVD erhältlich ist.
Die Bilanz des Konzerts fällt positiv aus – wenn auch nicht ohne Abstriche. Noch hakelt es bei den fünf Musikern an der Abstimmung, gelegentlich klappt ein Einsatz nicht sauber, und Paolo Fazio erlaubt sich ein paar Schnitzer bei Bachs "Jesu bleibet meine Freude". Anderes gelingt – auch dank der Zurückbesinnung auf das Wesentliche – herausragend. Edvard Griegs "In der Halle des Bergkönigs" aus der Peer Gynt-Suite wird von vielen Bläserensembles gespielt. So stimmig und feinsinnig wie hier hört man es nicht oft. Mit Purcell, Händel, Bach und Gabrielli stand die Musik des Barock im Mittelpunkt des Konzerts. Dementsprechend häufig kam die hohe C-Trompete zum Einsatz, bestens beherrscht durch Paolo Fazio. Besonders in Händels "Aire" aus der Suite in D-Dur gelingt den fünf Musikern fast eine Zeitreise an den englischen Hof, so majestätisch und zugleich leicht klingt ihr Spiel. Bei den Kinderliedern aus Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" trifft Classic Brass genau den Ton, der ihre Innigkeit erlebbar macht.
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Mit dem Spiritual "Joshua fit the battle of Jericho" zeigte Classic Brass sich zum Schluss noch von einer hörenswerten jazzigen Seite. "Soli deo gloria" (einzig Gott zur Ehre) – das Motto, das Bach und Händel anstatt einer Signatur unter viele ihrer Kompositionen setzten, haben sich auch Classic Brass für ihr erstes Konzertprogramm gewählt, ohne es allerdings in den Vordergrund zu stellen. Am Schluss gab es viel Applaus für ein gelungenes Konzert und zwei Zugaben, die eindeutig zu den Höhepunkten des Abends gehören.
Autor: ej
