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26. Oktober 2010
Den ganzen Abend über Gänsehaut
Der Offenburger Peter Oehler steigt bei den "Gitarren-Legenden" in der Reithalle ein.
OFFENBURG. Es war sozusagen ein musikalischer One-Night-Stand, bei dem sich die Partner nur für diese eine Nacht in der gut besetzten Reithalle zusammengefunden hatten: Siggi Schwarz, Alex Conti, Frank Diez und der nach der Pause dazustoßende Lokalmatador Peter Oehler – allesamt für sich allein schon in der Lage, für Begeisterung zu sorgen.
Weil Bluesrock aber erst mit weiteren Zutaten richtig fett klingt, wurde nach Verstärkung gerufen: Der Rock-Veteran Ingo Bischof, Gründungsmitglied der Band Karthago, folgte dem Ruf gerne und reiste samt Keyboard und Dackeldame an, die ab und zu ebenfalls gerne Bühnenpräsenz zeigte. Mit Bernd Elsenhans war zielsicher auch der passende Drummer gefunden, während Martin Hesener der Spontan-Formation die restlichen zwei noch fehlenden Elemente lieferte: den Bass und die Reibeisen-Stimme. Dass bei so vielen Lebensjahren auf der Bühne keine "Quickies" herauskommen konnten, entsprach durchaus den Erwartungen des Publikums.
Stellvertretendes Beispiel für das, was da am Freitagabend mit viriler Urgewalt über die Bühne rockte und rollte, war der gleich in der Anfangsphase des Konzerts interpretierte Muddy Waters-Klassiker "I just wanna make love to you", inszeniert als Zeit und Raum füllendes lustvolles Drängen, bei dem vom anfänglich gemütlich entspannten Zueinanderfinden, über den mit reifer Geduld beschrittenen Weg zum dampfend-heißen Höhepunkt bis hin zum sanften Ausklingen des Nachspiels einfach alles stimmig war.
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Diese Stimmigkeit ist es, die Chef-Gitarrist Siggi Schwarz an seinen Musikerkollegen schätzt: "Da ist einfach eine Harmonie zwischen uns, wir liegen alle auf einer gemeinsamen geistigen Ebene, deshalb funktioniert das auch ohne großes Proben". Auch in der zweiten Halbzeit gab es keinen Mangel an mächtigen Blues-Rock-Hämmern, die immer mehr Publikum runter von ihren Stühlen und nach vorne vor die Bühne zogen. Angefangen mit einer im Tempo wunderbar verschleppten, männlich-rauen Version von "I can't stand the rain", über den ZZ-Top-Feger "Dust my broom", Joe Walshs "Rocky Mountain Way", den gewohnt sexy rüberkommenden "Kiss" von Prince, fetzige Bruchteile des Canned Heat-Hits "On the road again" oder der finale "Summertime-Blues" – den ganzen Abend über war Gänsehaut auf dem Rücken und Bewegung in den Hüften angesagt.
Dass sie trotzdem nie abgehoben wirkten, sondern immer die Nähe zum und den Dialog mit dem Publikum suchten, war ein sehr erfreulicher Nebeneffekt dieses Konzerts, den Siggi Schwarz auch immer wieder auf den Punkt brachte: "Hey, uns macht's Spaß und euch auch – das ist die Hauptsache!"
Autor: Ulrike Le Bras
