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11. März 2009 14:47 Uhr

Interview mit Lahrer Experten

Polizeipsychologe Jakubeit: "Herr über Leben und Tod"

Ein Amoklauf an einer Schule kann grundsätzlich kaum verhindert werden, sagt der Polizeipsychologe Martin Jakubeit, der bei der Bereitschaftspolizei in Lahr stationiert ist. Auslöser könne bereits eine Kleinigkeit sein.

  1. Polizeipsychologe Martin Jakubeit Foto: Hagen Späth

"Empirische Untersuchungen zeigen, dass sich ein Amoklauf an jedem Ort und in den unterschiedlichsten Kontexten ereignen kann", sagt Jakubeit. Der Ort des Amoklaufs habe meist einen Bezug zum Täter. "Der Tatort steht in Bezug zu übergroßen Kränkungen, Verletzungen und Enttäuschungen, die der Amokläufer erlebt hat."

"Ein Amoklauf ist in den meisten Fällen lange geplant und gut vorbereitet", sagte der 48 Jahre alte Jakubeit, der seit 13 Jahren als Polizeipsychologe arbeitet und unter anderem polizeiliche Verhandlungen mit Gewalttätern führt. "Der Entschluss zur Tat reift in einem langen Zeitraum heran." Auslöser könne aber eine Kleinigkeit sein. "Ein unspezifisches Ereignis reicht als Auslöser, es dient dann als Zündstoff."

"Ein allerletztes Signal"

Mit dem Amoklauf übe der Täter Rache für Vorkommnisse, die es in der Vergangenheit gab und durch die er sich ungerecht behandelt, gedemütigt und ausgegrenzt fühle. Deshalb werde als Tatort oft der Ort gesucht, mit dem der Täter die Ursache seiner "schweren persönlichen Kränkung und Verletzung" verbinde.

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Der Amokläufer wolle der Gesellschaft meist "ein allerletztes Signal" geben. "Ein Mensch, der sich alleine und verlassen fühlt, kämpft gegen den Rest der Welt, er will ihr unter Umständen zeigen, was in ihm steckt." Deshalb werde die Tat oft inszeniert. Zum Beispiel dadurch, dass sich der Täter auffällig kleide, oft nach dem Vorbild von Kampffiguren aus dem Internet oder Computerspielen.

Schwach und ohne Bindung

Durch Studien, vor allem aus den Vereinigten Staaten, sei eine Art Profil von Amokläufern bekannt. "Die meisten jugendlichen Täter sind schwache Personen mit wenig sozialer Bindung, sie sind verschlossen und in sich gekehrt." Warnsignale für einen Amoklauf gebe es daher nur selten. Die Täter seien vertraut im Umgang mit Schusswaffen, entweder aus dem Internet oder in der Realität. "Kommt es zu einem Amoklauf, sind Verhandlungen mit dem Täter eher unwahrscheinlich", sagte Jakubeit. "Der Amokläufer fühlt sich als Herr über Leben und Tod. Das macht ihn so gefährlich." Die eingesetzten Polizeibeamten stünden unter einem enormen Druck, weil sie auf der Suche nach dem Täter in Lebensgefahr seien.

Autor: dpa