Eröffnung des China Start-up Centers auf dem Zeit-Areal

Der direkte Draht von Lahr ins Reich der Mitte

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

Di, 12. Juni 2018 um 18:13 Uhr

Lahr

Mit einem traditionellen Löwentanz sind am Dienstag zur Eröffnung des China Start-up Centers auf dem Zeit-Areal Lahr gute Geister und das Glück beschworen worden.

Für den bodenständigen Teil der Veranstaltung sorgten neben Weidong Wang, dem Leiter der Wirtschafts-und Handelsabteilung der Botschaft der Volksrepublik China in Deutschland, die beiden Start-up-Geschäftsführer Jingwen Liu und Hongtao Song sowie Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller.

Jingwen Liu sprach von vertieften Kontakten mit chinesischen Investoren, die an einem Standort Lahr Interesse zeigten. Konkret nannte sie das Logistikunternehmen Cosco Shipping – eine der weltweit größten Reedereien, deren europäischer Hauptsitz in Hamburg firmiert – sowie das Automotive-Unternehmen Hainachuan, das seit langem mit Mercedes-Benz kooperiert. Ausschlaggebend für Lahr als Standort des Start-ups sei vor allem die gute Verkehrsinfrastruktur inklusive des Flughafens, die kreative Offenheit und hohe Entwicklungsbereitschaft der Verwaltung und nicht zuletzt die wunderschöne Landschaft. Ausgebaut werden sollen die Kontakte beim nächsten China-Besuch im kommenden Monat durch Besuche in Qingdao, Fuzhou, Wuhan, nachdem man in der Vergangenheit in Peking, Shanghai, Nanking und Zhenjiang auf Lahr aufmerksam gemacht hatte.

Die Geschäftsführerin verwies darauf, dass sich seit 2000 die Exporte von Deutschland nach China fast verneunfacht hätten. Bei den Importen nach Deutschland spiele China eine noch größere Rolle. 2017 habe das Land auf Platz eins rangiert. "Die Volkswirtschaften Chinas und Deutschlands", gab sie sich überzeugt, "werden weiter wachsen. Die Stadt Lahr soll am Wachstum teilhaben." Diesem Zweck habe eine Konferenz über deutsche und chinesische industrielle Zusammenarbeit am 26. März gedient, an der neben Regierungsvertretern Geschäftsführer aus großen chinesischen Firmen teilgenommen hatten – unter anderem die China Cosco Shipping Corproation, DHL China und andere. Liu sieht als Hauptaufgabe des Unternehmens die Unterstützung chinesischer Investoren bei der Ansiedlung in Deutschland, denen auch Beratungs- und Serviceleistungen angeboten werden sollen. Gleichzeitig wird deutschen Investoren der gleich Service geboten.

Die ökonomische Erfolgsgeschichte Chinas fasste Weidong Wang zusammen. Es sei gelungen, 700 Millionen der 1,3 Milliarden Chinesen aus der Armut zu befreien. Ursache des Erfolgs sei der eigene Weg, den China eingeschlagen habe, nachdem die russische Planwirtschaft und der westliche demokratische Weg gescheitert seien. Weidong Wang betonte die Notwendigkeit offener Märkte und die fruchtbare Zusammenarbeit Chinas mit Deutschland. Inzwischen seien 5000 deutsche Firmen in China aktiv, umgekehrt gebe es 3000 chinesische Firmen, die in Deutschland Niederlassungen gegründet haben.

Die Anwesenheit des Leiters der Wirtschafts-und Handelsabteilung unterstreicht nach Auffassung von Oberbürgermeister Müller die Wertigkeit und das Engagement der beiden Start-up-Geschäftsführer. Mit der Vermarktung der ehemaligen militärisch genutzten Flächen sei Lahr den Weg der Öffnung mitgegangen. Diplomatisch streifte er die westliche Kritik an der politischen Lage im Reich der Mitte. China sei sicher ein Land, an dem man sich reiben könne. Wer allerdings eine erfolgreiche Zukunft in einer globalisierten Welt anstrebe, der komme am Reich der Mitte nicht vorbei. "Wo sonst finden wir auf der Welt einen Partner, der große Visionen hat und dabei verlässlich ist", konnte sich Müller einen Seitenhieb auf die USA nicht verkneifen.

Dass die beiden chinesischen Firmengründer nicht nur über Geschäftssinn, sondern auch ausreichend Humor verfügen, wurde am Rande der Eröffnung deutlich. Da vermerkten sie schmunzelnd, dass ihnen ihre Deutschlehrer einfach neue Vornamen gegeben hatten, weil sie offensichtlich nicht in der Lage waren die chinesischen auszusprechen. Aus Jingwen wurde Ella und aus Hongtau Felix. Damit auch andere Geschäfts- oder Gesprächspartner nicht in Verlegenheit kommen, haben sie kurzerhand die beiden deutschen Vornamen auf ihre Visitenkarten drucken lassen.