Der Lichtfängerbildträger überhöht Fotografie und Malerei

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 15. Januar 2019

Lahr

Monika Kropshofer, die mit vier Werken auf der Landesgartenschau Lahr vertreten war, stellt bei L’Art pour Lahr aus.

LAHR. Doppelsteg- oder Hohlkammerplatten sind eigentlich ein eher unsympathisches Material, weil man es mit vergilbten und verwitterten Terrassendächern assoziiert. Doch für Monika Kropshofer sind die halbtransparenten, in mehreren Stärken und variablen Zuschnitten erhältlichen Platten die schlüssige Weiterentwicklung ihres Themas "Wahrheit und Fiktion".

Die Künstlerin aus dem rheinland-pfälzischen Boppard war mit vier Werken, die mittlerweile von der Stadt angekauft wurden, auf dem Landesgartenschau-Gelände vertreten gewesen. Auch dort hatte sie sich, wie nun in der Galerie des Kunstvereins L’art pour Lahr, mit übermalten Fotografien präsentiert. Einige kleinformatige Werke aus dem Jahr 2009 zeigen bergige chinesische Landschaften, die Kropshofer farbflächig übermalt hat – deckend oder in verschiedenen Stufen der Transparenz, aber immer streng geometrisch. Es entsteht der Eindruck von Tiefe und Dreidimensionalität, den die promovierte Juristin und Kunsthistorikerin mit den Hohlkammerplatten in die Realität überführt. Die ohne Stativ, künstliche Beleuchtung und digitale Nachbearbeitung entstandenen Fotografien werden auf die Platten gedruckt und von Hand äußerst präzise beidseitig bemalt und überzeichnet. Durch die offenen Seiten dringt Licht ein. Verändert sich der Blickwinkel des Betrachters, verschiebt sich das Verhältnis von Vorder- und Hintergrund.

Als Einführung zur Ausstellung befragte Tamara Tziroulnikoff die Künstlerin, die ihre Fotomotive auf weiten Reisen findet. Zwar verzichtet Kropshofer auf Titel, doch der Ort der Aufnahme ist ihr als "Erinnerung an das eigene Erleben und Empfinden von Bedeutung". Im Ausstellungstitel "Wahrheit und Fiktion" spiegele sich die Dichotomie von Foto und künstlerischer Übermalung wider. Dieser – eher unterkomplexen – Deutung muss man als Betrachter nicht folgen. Denn die Motive – hauptsächlich Architekturdetails – sind durch die Wahl des Ausschnitts schon der Realität entzogen, ihre Übermalung wirkt zuweilen fast technisch. Besonders gut kommen diese Wandobjekte im Großformat zur Geltung, hier ergänzen sich die Leuchtkraft der Farben und die Wirkung des transparenten Trägermaterials am besten. Überraschend auch, wie schnell sich architektonische Details – Bauhaus, eingerüstetes gotisches Maßwerk oder spanische Säulen-Architektur – ihrem Ursprung zuordnen lassen. Das vielleicht schönste Bild der Ausstellung zeigt Schienen, das dazugehörige Foto wurde in Boppard aufgenommen. Wer den Hunsrück kennt, wird den Zusammenhang leicht herstellen.

Monika Kropshofer: Wahrheit und Fiktion. Galerie L’art pour Lahr, Obertorstraße 4. Bis 3. Februar geöffnet samstags und sonntags von 11 – 15 Uhr. Am 3. Februar wird die Künstlerin in der Galerie anwesend sein.