Umbau

Der neue barrierefreie Bahnhof in Lahr ist eröffnet

Manfred Dürbeck

Von Manfred Dürbeck

So, 08. April 2018 um 19:34 Uhr

Lahr

Der barrierefreie Umbau des Bahnhofs und die Neugestaltung des ZOB sind pünktlich zur Landesgartenschau abgeschlossen worden. 9,7 Millionen Euro waren in den Umbau und vier Millionen Euro in den ZOB und den Bahnhofsvorplatz investiert worden.

Winfried Hermann, der baden-württembergische Verkehrsminister, Lahrs Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller und Michael Groh, Leiter Regionalbereich Südwest von der DB Station&Service haben den modernisierten Bahnhof und den neuen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Betrieb genommen. 9,7 Millionen Euro waren in den Bahnhofsumbau und vier Millionen Euro in den ZOB und den Bahnhofsvorplatz investiert worden.

Kurzweilig und erfreulich locker ist am Sonntag die Einweihung des neuen Lahrer Bahnhofs und des Zentralen Omnibusbahnhofs geraten. Um die Reden herum sorgten Mitglieder einer Freiburger Tanzkompagnie zu Salsa-Rhythmen dafür, dass der Begriff der Mobilität eine unerwartete Bedeutungsebene erhielt und das Ganze Volksfestcharakter bekam. Mit dem obligatorischen Durchschneiden eines roten Bands war der offizielle Teil knapp eine Stunde später beendet.

Oberbürgermeister Müller erinnerte daran, dass es letztlich der Landesgartenschau zu verdanken war, dass die jahrzehntelangen Bemühungen um einen zeitgemäßen Lahrer Bahnhof endlich Erfolg hatten. Um Mobilität neu ordnen zu können, bedürfe es eines attraktiven Angebots. "Bisher", so Müller, "gab es da keine Qualität." Ausdrücklich nahm er dabei das Schalterpersonal aus, die sich stets allen Widrigkeiten zum Trotz um einen guten Service für die Kunden bemüht hätten. Bei aller Freude über das Erreichte vergaß er nicht, Verkehrsminister Winfried Hermann einen Wunsch mit auf den Weg zu geben: "Ein Durchstich der Unterführung nach Westen zum Park-&-Ride-Parkplatz würde der Bahn wegen der dort wachsenden Arbeitsplätze weitere Fahrgäste erschließen."

"Dieser Bahnhof ist die Krone der Nachhaltigkeit für die Landesgartenschau", lobte Hermann den umgestalteten Bahnhof. In kurzen Worten skizzierte er die verkehrspolitischen Überlegungen der Landesregierung, die bis 2025 landesweit einen vernetzten Stundentakt im Personenverkehr anstrebt. "Auch aus Gründen des Klimaschutzes wollen wir, dass die Menschen umsteigen." Trotz aller Bemühungen um eine Reduzierung der Schadstoffe, habe eine aktuelle Studie ergeben, dass die Treibhausgase in den letzten Jahren weiter gestiegen sind.

Michael Groh, Leiter Regionalbereich Südwest von der DB Station&Service charakterisierte den Ausbau bei laufendem Betrieb als logistische Meisterleistung. Gebaut werden konnte immer nur in einem engen Zeitfenster, um den laufenden Betrieb auf der Strecke aufrecht zu erhalten. In Kombination mit dem ZOB sei der Bahnhof eine intermodale Drehscheibe geworden: "Er kann als Blaupause für andere Bahnhöfe gelten."

Für alle Parlamentarier bekannte Peter Weiß: "Mit dem heutigen Tag fällt uns ein Stein vom Herzen." Als klar war, dass Lahr im Bahnhofsmodernisierungsprogramm, das vom Bund, der Bahn, dem Land und Kommunen getragen wird, keine Berücksichtigung gefunden hatte, hätten sich alle politisch Verantwortlichen ins Zeug gelegt, um zur Landesgartenschau einen vorzeigbaren Bahnhof hinzubekommen. "Alles andere", so Weiß, "wäre eine Schande gewesen." Mit einer Sondervereinbarung habe man das Debakel verhindert.

Der neue Bahnhof
Mit Lahr sind jetzt 537 von insgesamt 684 Bahnhöfen in Baden-Württemberg barrierefrei. Im Rahmen des 17-monatigen Umbaus sind die Bahnsteiganlagen und Empfangsgebäude saniert worden. Die Finanzierung des Vorhabens teilen sich die Deutsche Bahn (5,7 Millionen Euro, das Land (2,7 Millionen Euro) und Lahr (1,3 Millionen Euro). Neu gebaut wurden zwei Bahnsteige mit 245 und 210 Metern Länge. Erneuert wurden zudem die Bahnsteigausstattung, Beleuchtung und das taktile Wegeleitsystem, einschließlich eines taktilen Bahnhofsplans. Für eine barrierefreie Erschließung sorgen zwei Aufzüge. Herausgeputzt wurde auch das Empfangsgebäude inklusive einer behinderten-gerechten WC-Anlage, für die Lahr 120 000 Euro beisteuerte.

Der Bahnhofsvorplatz
Der Bahnhofsvorplatz wurde zu einem multimodalen Knoten für alle Verkehrsteilnehmer umgestaltet. Durch den Umbau der Kreuzung Schwarzwaldstraße zu einem Minikreisverkehr entstand eine Trennung zwischen ruhendem Kfz-Verkehr, Bus- und Taxiverkehr sowie Radverkehr. Der Belleviller Platz wurde zu einer reinen P+R-Anlage mit 73 Stellplätzen erneuert, davon zwei Behindertenstellplätze. Nördlich des historischen Bahnhofsgebäudes wurde eine weitere P+R-Anlage mit 40 Stellplätzen und direktem Zugang zum Bahnsteig angelegt. Auf dem Gelände der Deutschen Bahn wurde ein großer Abstellbereich für den Radverkehr zwischen Empfangsgebäude und historischem Bahnhofsgebäude geschaffen. Angeboten werden unter anderem 50 zusätzliche Fahrradboxen, davon zehn mit Steckdosen zum Aufladen von E-Bike-Akkus. Insgesamt gibt es sichere und komfortable Abstellmöglichkeiten für 270 Fahrräder, dazu zwölf kostenlose Schließfächer, ebenfalls mit Steckdose. Sie bieten Platz für Radhelm, Gepäck oder E-Bike-Akku.

Der neue ZOB
Unmittelbar vor dem Empfangsgebäude der Bahn ist bereits der neue ZOB mit sechs Bussteigen und zwei separaten Bussteigen nördlich davon in Betrieb. Acht neue Taxi-Stellplätze befinden sich direkt am Empfangsgebäude. Dadurch haben sich die Wege zwischen ZOB und Bahnsteig deutlich verkürzt. Zur Erhöhung des Fahrgastkomforts wurde an sechs Bussteigen sowie zwischen ZOB und Bahnsteig digitale Haltestellenanzeiger mit Vorlesetastern installiert. Auf den Bildschirmen werden die Abfahrtszeiten in Echtzeit angezeigt. Das Empfangsgebäude wurde ebenso mit einem Anzeiger ausgestattet.

Digitale Haltestellenanzeiger
Die digitalen Bushaltestellenanzeiger sind das Ergebnis einer engen Kooperation von Stadt Lahr und Südwestdeutscher Landesverkehrs-AG (SWEG). Die Stadt Lahr ist Eigentümer der Anzeiger und hat in die Planung, den Aufbau und den Anschluss der Anlagen 130 000 Euro investiert. Die SWEG übernimmt für die Stadt den täglichen Betrieb. Die SWEG informiert in Absprache mit der Stadt über Störungen im Verkehrsbereich. Von einer "deutlichen Aufwertung des ÖPNV" spricht Oberbürgermeister Müller: "Die neuen Haltestellenanzeiger ergänzen den sanierten Bahnhof und neuen ZOB und bedeuten eine erhebliche Verbesserung des Service für die Fahrgäste." Am ZOB kommen an den Bussteigen sechs doppelseitige Anzeiger zum Einsatz. Für blinde oder sehbehinderte Menschen wurden Vorlesetaster angebracht, über die der Bildschirminhalt angesagt werden kann. Installiert wurde außerdem ein Übersichtsanzeiger im Bahnhofsgebäude; in den nächsten Tagen soll noch ein Übersichtsanzeiger im Durchgangsbereich zwischen ZOB und Gleisen aufgestellt werden. Bei allen Anzeigern handelt es sich um hochauflösende TFT-Bildschirme. "Die Stadt erhält damit ein innovatives System, das moderner ist als in manchen Großstädten, und die Fahrgäste erhalten aktuelle Informationen in Echtzeit", sagte Tobias Harms, Vorstand der SWEG.